You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Experimentalbiologischen Experimente zur Geschlechtsausbildung und -umwandlung, die in den 1910er-Jahren von dem Physiologen Eugen Steinach durchgeführt wurden und prägend für die Sexualhormonforschung waren, hatten großen Einfluss sowohl auf die sexualwissenschaftliche Theorie Magnus Hirschfelds als auch auf die psychoanalytische Theorie Sigmund Freuds. Für Hirschfeld belegten sie sowohl die juristisch so bedeutsame These einer homosexuellen Konstitution als auch die höchst flexible Theorie der sexuellen Zwischenstufen. Für Freud waren sie ein Beleg für die prinzipielle Bisexualität aller Geschlechtswesen, widersprachen aber seinem Entwicklungsmodell der sexuellen Objektwahl. Sexualhormonen kamen dabei bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle sowohl für die Erklärung der körperlichen Geschlechtsentwicklung als auch der psychischen Prägung zu. Obwohl entsprechende Versuche bestanden, psychische und somatische Prozesse im Konzept vegetativer Regulationen zu verbinden, gelang es weder neuroendokrinologischen noch psychosomatischen Forschungen, das »Leib-Seele-Geist-Problem« (Heinrich Meng) wirklich zu lösen.
»The Endocrine Formula. Psychoanalysis und Sex Hormon Research in the First Half of the 20th Century«