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Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Name Magnus Hirschfelds zwar keineswegs vergessen, jedoch gelang es in Deutschland, Ost wie West, lange nicht, an sein Werk anzuknüpfen. Dies versuchte der Arzt Werner Becker (1927-1980), als er seine Dissertation »Über die Ätiologie und Differentialdiagnose der Homosexualität« in West-Berlin vorlegte.
Becker war zudem mit etlichen homosexuellen Aktivisten vernetzt. Die vernichtende Kritik seiner Gutachter und homosexuellenfeindliche Tendenzen im Wissenschaftsbetrieb waren Hemmnisse für seine weitere wissenschaftliche Entwicklung. Becker wurde wegen »unerlaubter Handlungen« nach § 175 StGB auch mehrfach kriminalisiert. 1956 brach er alle Brücken ab, ging nach Kanada und ließ sich zum Psychoanalytiker ausbilden. Zehn Jahre später wurde er Leiter des Berliner Psychoanalytischen Instituts (BPI). Privat ging er eine Lebenspartnerschaft mit einer Kollegin ein. Über das Thema Homosexualität äußerte er sich fortan nicht mehr. Offenbar war die Abkehr von seinem ursprünglichen Forschungs- und Interessensgebiet die Voraussetzung für seinen Werdegang als Psychoanalytiker. Schlüssig ist vor diesem Hintergrund, dass etwa am BPI bis vor wenigen Jahren über Beckers Engagement in der Homosexuellenbewegung der frühen Nachkriegszeit nichts bekannt war.