You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eine Geschichtsschreibung der psychoanalytischen Bewegung bleibt ohne Blick auf das Zusammenspiel zwischen militärischen Interessen an der Psychoanalyse und die Folgen, die diese für die Expansion der Psychoanalyse - insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika - nach sich zog, zweifellos unvollständig.
Gleichzeitig ist es eine Geschichte voller Ambivalenzen - zwischen Hoffnung auf wissenschaftliche Anerkennung, Stolz über Errungenes und Angst vor politischer Vereinnahmung (insbesondere durch linke Positionen, was in den USA noch zusätzlichen Sprengstoff bedeutete) und dadurch drohenden Verlusts ihres unbedingten Neutralitätsbestrebens. Auch Eissler schien in darin verstrickt gewesen zu sein, sah er doch von einer Veröffentlichung seines Kriegsmanuskripts (»WAR-MS«) zu Lebzeiten ab.
War das offizielle Credo der psychoanalytischen Gemeinschaft die politische Enthaltsamkeit, auch in Zeiten ihrer größten Bedrohung (Freud, 1949, S. 179), so verdankte die organisierte Psychoanalyse seit dem Ersten Weltkrieg dem Krieg und damit dem Militär ihren ersten großen Achtungserfolg, als militärische Vertreter der österreichisch-ungarischen Armeeverwaltung auf dem V. Kongress der IPV 1918 in Budapest ihre Pläne kundtaten, »psychoanalytische Stationen zu errichten, in denen analytisch geschulte Ärzte Mittel und Muße finden sollten, um die Natur dieser rätselvollen Erkrankungen und ihre therapeutische Beeinflussung durch Psychoanalyse zu studieren« (Freud, 1919d, S. 321). Getragen wurde diese Entscheidung durch Berichte von Heilungserfolgen durch psychoanalytisch geschulte Militärärzte bei Kriegsneurotikern. Deren Teilnahme euphorisierte die damalige psychoanalytische Gemeinschaft und ließ auch bei Freud Hoffnungen aufkommen, endlich als eigenständige und ernst zu nehmende Wissenschaft der menschlichen Psyche Anerkennung zu finden. Allerdings war der Krieg knapp zwei Monate später zu Ende. Auch Eissler äußerte sich mit seinem Kommentar zu Freuds Expertise im Rahmen des Verfahre