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Bereits in seine Studie »Heilige Texte. Psychoanalyse und talmudisches Judentum« hat Wolfgang Hegener, niedergelassener Psychoanalytiker und Hochschullehrer am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin, einen längeren Exkurs »Die Philippson-Bibel im Spannungsfeld zwischen jüdischer Tradition und protestantischer Bibelkritik« eingefügt. In seinem neuen Buch »Im Anfang war die Schrift. Sigmund Freud und die jüdische Bibel« ist die Freudsche Familienbibel Ausgangs- und Fluchtpunkt einer weit gespannten Fortschreibung der in »Heilige Texte« entfalteten These, »das rabbinische Judentum mit seiner Text- und Schrifttradition« sei für Freud trotz seiner Religionskritik und durch alle Gesten des Traditionsbruchs hindurch maßgeblich geblieben und habe zur Herausbildung der Psychoanalyse entscheidend beigetragen.
Mit bewundernswerter Akribie widmet sich Hegener in den ersten drei Kapiteln seines neuen Buches der historisch-philologischen, bildungsgeschichtlichen und biografischen Untermauerung seiner These. Er bettet die Philippson-Bibel, die Jacob Freud seinem Sohn Sigmund zum 35. Geburtstag überantwortete, in die Familiengeschichte ein, kommentiert jeden einzelnen der hebräisch und deutsch geschriebenen Einträge, mit denen Jacob Freud sie auf dem »Gedenkblatt« des Jahres 1856 versehen hat (zum Tod des eigenen Vaters, zu Geburt, Beschneidung und den ersten Zähnen des Sohnes) und unterzieht das hebräisch verfasste Widmungsschreiben an den Sohn, das Jacob Freud in die Bibel eingeheftet hat, Zeile für Zeile einem »close reading«. Beim »Gedenkblatt« erweist sich, dass die auf Deutsch verfassten Einträge nicht, wie bisher angenommen, wortgetreue Wiedergaben des hebräischen Textes darstellen, sondern diesen lediglich paraphrasieren, auf Kosten des Reichtums der biblischen und außerbiblischen Verweise und Anspielungen.
Um diesen Reichtum geht es Hegener. Sein Kommentar zu den Gedenkblatteinträgen wie zum Widmungsschreiben besteht im Wesentlichen aus der Rekon