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Ursprünglich, so schreibt Ulrike May in der Einleitung zu dieser Monografie, hätte die Absicht darin bestanden, Freuds Theoretisierung und klinischen Erkenntnisse über die Aggression in einer Studie zusammenzufassen. Das Projekt entwickelte sich jedoch zu einer anderen und umfassenderen Studie über eine entscheidende Periode in der frühen psychoanalytischen Bewegung, die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zwischen 1920 und 1925. Diese Periode wird nach der Verfasserin dadurch gekennzeichnet, dass die Problematik der Aggression die Sexualität als zentrales Thema der Theoriebildung und der klinischen Praxis verdrängt. Während Freud auf dem Primat der Sexualität beharrte, wie es in seinen frühen psychoanalytischen Arbeiten, in der Verführungstheorie und danach in Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie artikuliert worden war und seither von Freud stets als Kern der Theoriebildung über die Ätiologie der Psychoneurosen verteidigt worden war, fanden vor allem in Berlin und London wichtige Entwicklungen statt, die sich als »Abschied vom Primat des Sexuellen« und Wandel zum »Primat der Aggression« zusammenfassen lassen. Dieser Wandel kann in der Theoriebildung sowie in der klinischen Praxis, d.h. in der Betonung aggressiver Aspekte in der Übertragung, nachgewiesen werden. Der Abschied vom Primat des Sexuellen findet nicht in Wien statt, sondern in zwei anderen großen Zentren der psychoanalytischen Bewegung, die damit die weitere Entwicklung der Freudschen Psychoanalyse entscheidend beeinflussen - Berlin und London.
Die Abgrenzung des Zeitraums, auf den sich diese Studie konzentriert, wird nicht mit dem Hinweis auf die Einführung neuer theoretischer Elemente oder grundlegender Veränderungen in der Praxis argumentiert. Denn die Reflexion über das Thema Aggression ist nicht neu, ebenso wenig wie die Kontroversen darum, man denke nur an die Debatte zwischen Freud und Adler über Aggression als Trieb oder Triebkomponente. Entscheidend ist auch nicht Freuds Einführung einer neuen Triebtheo