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Tögels Edition der Sigmund Freud-Gesamtausgabe ist ein hybrides Magnum Opus. Die ersten beiden Bände bringen ein historisches Novum ans Licht: die anonymen Rezensionen und Berichte, die Freud zwischen 1877 und 1890 verfasste. Band 21 bringt eine weitere Überraschung: eine Sammlung von englischen, französischen, deutschen, polnischen, schwedischen und ungarischen Freud-Interviews im Original und in Übersetzung. Und die letzte Überraschung - zu der die Forscher immer wieder zurückkehren werden - ist das Diarium, die beiden Teile von Band 22, die auf über 1.100 Seiten Freuds Alltagsleben vom 6. Mai 1856 bis zum 26. September 1939 dokumentieren. Es geht auf das Projekt von Gerhard Fichtner in den 1980er-Jahren zurück, alle datierbaren Ereignisse in der Freud-Biographie von Ernest Jones zusammenzutragen. Tögel übernahm dieses Projekt 1989 und hat es seither exponentiell erweitert, indem er Daten aus über drei Jahrzehnten Arbeit an der Freud-Biographie zusammentrug. (Zu seinen zahlreichen Quellen gehören übrigens auch Freuds Notizbücher aus den Jahren 1901-1936, die Tögel uns allen online unter freud-biographik.de zugänglich gemacht hat.)
In der Einleitung warnt der Herausgeber, das Diarium bestehe aus »datierbaren Ereignissen aus Freuds Leben unabhängig von ihrer Bedeutung für Freuds Werk«. Er fügt hinzu, dass auch die Auswahl der Daten »nicht nach Bedeutung für Freuds Leben« erfolgt (Einleitung, S. 1). Dieses Diarium ist also eine Fülle von Rohmaterial - ein großzügiges Geschenk an die Freud-Forschung in Form einer Art Do-it-your-self-Biografie. Klugerweise verzichtet Tögel auf eine Gebrauchsanweisung. Machen Sie daraus, was Sie wollen.
Am 14. Mai 1884 »kauft sich F. für die Promotion von Ignaz Schönberg und die Hochzeit von Josef Paneth einen Frack, eine schwarze Hose, ein Hemd, eine Krawatte und Handschuhe«. Und ein paar Seiten und Wochen später, Ende Mai: »F. lehnt mehrere Einladungen ab, weil er seine Kleidung für zu schäbig h