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En passant hat Horst Bredekamp, der renommierte Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler von der HU Berlin, sich bereits mehrfach mit Freud befasst (2009). Nicht selten von einem seiner Hauptforschungsgebiete her: Michelangelo Buonarotti. Diesem widmete er auch eine 2021 erschienene, im Wortsinn monumentale Studie. Der Moses des Michelangelo, Freuds (1914b) einflussreiche Auslegung jener spannungsreich-rätselhaften Statue in der römischen Basilika San Pietro in Vincoli, kreuzte in der Beschäftigung mit dem Renaissance-Künstler notwendigerweise die Wege Bredekamps.
Nun liegt seine erste Monografie vor, die ganz allein Freud gilt. Das auf Vorträgen im Rahmen der Jacob Burkhardt-Gespräche auf Castelan beruhende, für die Publikation überarbeitete Bändchen setzt sich aus zwei Studien und einem knappen theoretisierenden Abschlusskapitel zusammen: Während der erste Teil sich einmal mehr der Moses-Studie zuwendet, präsentiert der zweite Teil eine Auseinandersetzung mit der von Freud in jahrzehntelanger Leidenschaft zusammengetragenen Sammlung archäologischer Figürchen. Im dritten Teil unternimmt Bredekamp den argumentativen Versuch, seine Interpretation von Freuds Verhältnis zur bildenden Kunst und zu archäologischen Objekten in seine »Theorie des Bildakts« (2010) einzugliedern: Die Objekte hätten demnach maßgeblich Anteil an der Entstehung und dem Gehalt der Psychoanalyse. Wenn dem so ist, wäre die Psychoanalyse ohne das Figurenkabinett nicht vorstellbar.
Sehr kurz zusammengefasst, schließt Bredekamp von verstreuten Textstellen, in denen Freud Bezug auf seine zahlreichen Statuen nimmt, auf ein ungeahntes Verhältnis zu Bildern und Skulpturen in dessen Alltag. Dieses Verhältnis sei von gewährender und kreativer, sogar praktisch-therapeutischer Natur gewesen, ganz anders als es die Betonung des alttestamentarischen Bilderverbots und der Wortsprache in den Freud'schen, insbesondere kulturtheoretischen Schriften vermuten ließen. In Der Mann Moses und die monotheistische Religion b