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Auf der ersten Seite ihrer vorzüglichen Einleitung schreibt die Herausgeberin des Briefwechsels zwischen Ludwig Klages und Friedrich Salomon Rothschild, die Korrespondenz sei bezüglich der Grafologie des Einen und der Psychoanalyse des Anderen unergiebig. Leider stimmt das. Stattdessen handelt der Briefwechsel vor allem von der Rezeption Klagescher Ideen durch einen wesentlich jüngeren Neurologen. Das Verhältnis der beiden kommt im ersten überlieferten Brief Klages‘ an Rothschild zum Ausdruck. Darin heißt es, der Weg, den letzterer eingeschlagen habe, sei »methodisch zulässig und, wie ich nicht bezweifeln möchte, auch erfolgversprechend« (S. 153). Rothschild antwortet mit einer Mischung aus Ergebenheit und Selbstbewusstsein: »Ihre Mitteilung, dass Sie den eingeschlagenen Weg für zulässig erachten, bedeutet für mich die beruhigende Bestätigung einer allerdings nur selten angezweifelten Meinung.« (S. 154). Dass Rothschild selbstbewusst war - immerhin hatte er sowohl mit führenden Psychoanalytikerinnen wie Frieda Fromm-Reichmann als auch mit bedeutenden Psychiatern wie Kurt Goldstein zusammengearbeitet -, kann nicht angezweifelt werden. Dennoch hält er sich mit Kritik an Klages zurück, auch im Hinblick auf dessen notorischen Antisemitismus. Erst sehr spät, im Jahr 1951, thematisiert er die langlebige Judenfeindschaft des eigenwilligen Denkers.
Forscher und Forscherinnen, die darauf hoffen, einiges über das jeweilige Verständnis von Psychologie, Psychoanalyse und Geschichte zu erfahren, werden im Briefwechsel wenig dazu finden. Das macht die 140-seitige Einführung umso interessanter: Selten hat der Rezensent eine solch ausführliche Einleitung gelesen. Thome beschreibt darin in sieben Abschnitten die Beziehung zwischen Rothschild und Klages; Klages‘ Antirationalismus; die Veröffentlichung von Rothschilds Symbolik des Hirnbaus aus dem Jahr 1935; Rothschilds Auseinandersetzung mit Fragen der Hirnentwicklung und -anatomie; die Auffassungen Rothschilds und Klages‘ zur Phänome