You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der jüdische Patient Moritz Bendit wird schon im Titel genannt, der Psychiater Ernst Rehm im Untertitel - Reinhard Lampe, der Archivar der Gemeinde Neuried, stellt vor dem Hintergrund der allgemeinen Geschichte und der Psychiatriegeschichte vor 1945 ein Sanatorium, dessen psychiatrischen Leiter und einen Patienten vor und verknüpft dies mit der Gesamtsituation in Bayern um diese Zeit. Bereits im Vorwort wird die bekannteste Patientin der Kuranstalt Neufriedenheim bei München zitiert, die unter anderem mit Bertolt Brecht konflikthaft vernetzte Schriftstellerin Marieluise Fleißer und ihre Erzählung »Die im Dunkeln«, in der sie viele Jahre spatter ihre Zeit als Patientin im Sanatorium literarisch aufarbeitet. Es folgen Schilderungen des lange Zeit leitenden Arztes und Besitzers Ernst Rehm und seiner Herkunft und Verwandtschaft. Geboren und zunächst aufgewachsen in einer bürgerlichen Familie (Vater Landgerichtsarzt) in Sugenheim in Mittelfranken, war seine älteste Tochter mit dem bekannten Psychiater Otto Wuth verheiratet, der auch (mit teilweise nicht korrekten Angaben) in Ernst Klees Personenlexikon zum Dritten Reich vermerkt ist. Er arbeitete unter anderem in den 1920er- und 1930er-Jahren im Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen (Schweiz) und gründete dort die Ortsgruppe der NSDAP, von 1935 bis 1944 war er oberster Psychiater der Wehrmacht und setzte sich vor allem für die Verfolgung der Homosexuellen ein. 1946 suizidierte er sich in Garmisch, als seine Identität den amerikanischen Behörden bekannt wurde. Ein Verdienst dieses Buches besteht darin, seine Biografie einschließlich des Nachrufs im Garmischer Hochlandboten ausführlich dargestellt zu haben (69-95; 248-249). Rehms Bruder Otto Rehm war aktiver Nationalsozialist in Bremen (104-107).
Rehm selbst hörte bereits während seines Medizinstudiums in München psychiatrische Vorlesungen und arbeitete als Arzt in der Psychiatrischen Universitätsklinik München sowie von 1883 bis 1884 als »Prinzenarzt« des psychisch kranken