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Die auf 19 Bände angelegte und von Johannes und Michael Reichmayr im Wiener Mandelbaum Verlag herausgegebene Werkausgabe des Schweizer Analytikers und Schriftstellers Paul Parin neigt sich der Vollendung zu. Nachdem ich schon die ersten Bände 2020 in LA 65 hoch gelobt hatte, lässt auch Band 9, »Wissensflüsse,« mit Korrespondenzen zur Ethnopsychoanalyse, Transkulturellen Psychiatrie und Psychoanalyse kaum Wünsche offen. Die Bandherausgeberin Christine Korischek begründet die Briefauswahl vom Ende der 1940erbis Anfang der 1990er-Jahre auf schlüssige Weise und führt in jedes der drei Kapitel mit einer ausführlichen Einleitung ein, in der die jeweiligen Korrespondenzpartner kenntnisreich vorgestellt werden. Von 38 Korrespondenzpartnern sind nur sieben Frauen, von denen drei zusammen mit ihren Partnern angeschrieben wurden.
In den Korrespondenzen zur Ethnopsychoanalyse und Transkulturellen Psychiatrie lässt sich die allmähliche Entstehung eines Forschernetzwerkes in nuce beobachten, die gleichsam Bausteine einer Disziplingeschichte mitliefert. Es ging mir beim Lesen der Briefe ähnlich wie beim Zuhören von glänzenden Rhetorikern, deren Gedankenentstehung beim Vortragen laut werden. Forschungsliteratur, ethnopsychoanalytische Reisen und deren literarischer Niederschlag werden unprätentiös in der Szene ausgetauscht, sei es im Rahmen von Publikationsprojekten oder persönlichen Begegnungen. Der im Band auftauchende Satz »die Ethnopsychoanalyse hat uns immer so viel Spaß gemacht« (S. 471) spricht aus jeder Zeile des Briefwechsels. Für den Bereich der Transkulturellen Psychiatrie sei stellvertretend aus einem Brief an Erich Wulff zitiert: »In Dakar haben wir Entwicklungshilfe getrieben. »Entwicklungshilfe» ist nämlich das, was die unterentwickelten Länder tun müssen, um unser Bewusstsein zu entwickeln« (S. 253).