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Der verantwortliche Herausgeber dieses Heftes von LUZIFER-AMOR hat zunächst die traurige Pflicht, den Tod von Thomas Aichhorn anzuzeigen. Thomas Aichhorn war dieser Zeitschrift über mehrere Jahrzehnte als Autor, wissenschaftlicher Beirat und Herausgeber einiger Hefte eng verbunden. Er ist vielen Lesern vertraut gewesen. Michael Schröter würdigt seine Person und sein Wirken zu Beginn dieser Ausgabe.
Der Schwerpunkt dieses Hefts ist Georg Groddeck gewidmet, dem Außenseiter in der psychoanalytischen Bewegung der 20er- und 30er-Jahre, dem Schöpfer des Es-Begriffs und dem Pionier der psychoanalytischen Psychosomatik. Bekannt ist Groddeck als der »wilde« Analytiker, Verfasser des psychoanalytischen Romans Der Seelensucher und des Buchs vom Es. Nach seinem Tod 1934 wurde er rasch vergessen und erst in den 1970er-Jahren wieder entdeckt. Allerdings blieb das Interesse an ihm auf einen kleinen Kreis beschränkt. Die rund 20-bändige Werkausgabe – herausgegeben von der Georg Groddeck-Gesellschaft – wurde kaum rezipiert. Dies mag daran liegen, dass er sich weigerte, seine Entdeckungen in die psychoanalytische Metatheorie einzupassen und weitgehend die analytische Nomenklatur zu meiden. Dennoch war er für eine Reihe von Psychoanalytikern, angefangen bei Freud und Ferenczi, anregend gewesen.
In seinem Aufsatz »»… ein Gegenstand liebender Wut u. wütender Liebe!« – Sechzehn Briefe zu Groddecks 60. Geburtstag«, die hier abgedruckt sind, dokumentiert Michael Giefer diese Ambivalenz, die Groddeck in der psychoanalytischen Organisation auslöste. Karl Landauer, Heinrich Meng und Lou Andreas-Salomé gehörten u.a. zu den Gratulanten. Einen Eindruck von Groddecks Persönlichkeit und Eigenwilligkeit vermittelt sein Beschwerdeschreiben als Lazarettarzt an die kgl. Kommission von 1915, das von Michael Giefer eingeleitet wird. Mit der Anekdote vom »wilden« Analytiker, die mit Groddecks erstem Auftritt an einem Internationalen Psychoanalytischen Kongress verbunden ist, beschäftigt sich Michele Lualdi