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Er war vieles: praktizierender Psychoanalytiker, Spezialist für Adoleszenz und psychoanalytische Pädagogik, vertraut mit der Theorie von Jean Laplanche, der er sein letztes Buch widmete (2019b); er war Opernkenner, Antiquitäten-Liebhaber und Gourmet, ein wunderbarer Cicerone durch Wien, Salzkammergut und das niederösterreichische Waldviertel, bis zuletzt auch ein engagierter Vater – aber für Psychoanalysehistoriker war Thomas Aichhorn vor allem einer der markantesten Vertreter unseres Feldes seit Beginn dieses Jahrhunderts. Seine Bibliographie bezeugt seine Produktivität.1
In diesem Nachruf wird nur eine Auswahl seiner Arbeiten zur Geschichte der Psychoanalyse erwähnt. Ein vollständiges Schriftenverzeichnis bis 2022 findet sich unter (Zugriff 13.6.2025).
In LUZIFER-AMOR hat kaum jemand so viele Beiträge veröffentlicht wie er; als die Zeitschrift 2003 einen Redaktionswechsel erlebte, gestaltete er als Gast-Herausgeber zwei Übergangshefte »Zur Geschichte der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1938–1949«. Seine Kenntnis dieser Geschichte von den Anfängen an hat er danach als Beiratsmitglied der Zeitschrift ebenso eingebracht wie als Mit-Organisator des jährlichen Symposions zur Geschichte der Psychoanalyse. Die Lücke, die sein Tod reißt, wird nie zu füllen sein.
In einem im Internet publizierten »Lebenslauf« findet man über Thomas Aichhorn die Angaben:2 »Geboren in Wien, nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums: 1964 Matura am Bundesgymnasium Wien 9. Es folgten Studien in Staatswissenschaften an der Universität Wien und Psychologie und Pädagogik an den Universitäten Würzburg und Salzburg. Von 1981 bis 1998 Anstellung im Institut für Sozialtherapie der Stadt Wien.« Der Leerraum vor 1981, als er schon 36 Jahre alt war, gibt zu denken. Er könnte, über Studium und Ausbildung hinaus, eine Phase des Suchens nach seinem