You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Interesse am »Charakter« scheint in der Geschichte der Psychoanalyse eher eine Randerscheinung zu sein. Und doch stand in den 1920er- bis 1950er-Jahren die Aussicht auf eine vollständige »Charakterologie« im Zuge der Hinwendung zur Ich-Psychologie, aber auch als Schwerpunkt der klinischen Technik für Wilhelm Reich, Otto Fenichel und andere im Vordergrund. Dieser Beitrag greift insbesondere auf Reichs umfangreiches Werk Charakteranalyse und verwandte Arbeiten zurück, um die Natur einer bedeutenden Wende in der psychoanalytischen Praxis nachzuzeichnen. Dazu gehörte eine Hinwendung von den Symptomen zur psychischen Struktur des Individuums als Ganzes und von den unbewussten Wünschen zu den Abwehrmechanismen. Vor allem aber entstand in dieser Verlagerung des Schwerpunkts in den 1920er-Jahren ein Krieg gegen den Charakter des Patienten, der die Praxis als Schlachtfeld gegen einen Patienten festigte, dessen Pathologie in seinem Widerstand gegen die Analyse begründet war. Daraus ergeben sich eine neue professionelle Einstellung des Analytikers und ein neuer klinischer Typ, der narzisstische Charakter. Im Laufe dieser Untersuchung komme ich jedoch immer wieder auf folgende Frage zurück: Was bedeutete es, eine Theorie des Charakters und eine Technik zu seiner Demontage zu entwickeln, ohne sich dabei auf einen Dialog mit den vorherrschenden Charaktertheorien anderer Disziplinen einzulassen oder sich Gedanken darüber zu machen, wie Charakter in einer breiteren Welt moralischer und sozialer Beziehungen umgesetzt wird?
Resistance, Armour, Retreat: The Psychoanalytic War on Character