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Der Briefwechsel wird auf dem Einbandrücken mit der Ankündigung beworben, dass er »die möglicherweise letzte inhaltlich noch unbekannte Korrespondenz Sigmund Freuds an die Öffentlichkeit« bringe. Das mag zutreffen, wirft aber die Frage auf, warum die Korrespondenz der auf sehr verschiedenen Themenfeldern agierenden prominenten österreichischen Gelehrten so lange unbeachtet blieb. Vielleicht erklärt es sich daraus, dass sich ihre Denkwelten nur an wenigen Stellen berührten, weshalb der beiderseitige Einfluss auf ihr jeweiliges Werk marginal blieb.
Der 1859, drei Jahre später als Sigmund Freud geborene Dichter und Philosoph Christian von Ehrenfels war ab 1896 Professor an der Deutschen Universität in Prag. Einen Namen machte sich von Ehrenfels zunächst als Begründer der Gestaltpsychologie und somit -theorie durch seine 1890 veröffentlichte Arbeit »Über Gestaltqualitäten«. Außerdem engagierte sich von Ehrenfels in der um 1900 aufkommenden Lebensreformbewegung, und dort insbesondere für eine spezifische Strömung der Sexualreform, die sich der eugenischen Beeinflussung des menschlichen Erbguts durch eine Beschränkung der Reproduktion auf wenige ausgewählte »Generatoren« widmete. Sein Konzept der Züchtung firmierte unter dem Titel: Sexualethik.
Der Band besteht aus zwei Hauptteilen, einem rund sechzigseitigen sehr akribischen werkanalytischen Essay der Herausgeber zur Einordnung von Ehrenfels' Positionen und dem chronologischen Abdruck der Brieftranskripte nebst exemplarisch faksimilierten Briefen, der weitere 90 Seiten umfasst. Beigefügt ist ein Anhang mit dem kurzen Briefwechsel zwischen Ehrenfels und Josef Breuer, sowie ein Nachwort zur Entstehung des Bandes.
Der Briefwechsel lässt sich, bedingt durch schwere Depressionen von Ehrenfels', in zwei Phasen gliedern, die erste dichte zwischen 1903 und 1910, die zweite um 1931. Es liegen allerdings nur insgesamt 35 Briefe der Gesamtkorrespondenz vor, 17 von Freud, 18 von Ehrenfels; bis 1906 sind nur die Brief Freuds, ab 1909 si