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Der Titel dieses Buches lässt sich nicht mit »Populäre Geschichte der Psychoanalyse« übersetzen. Er erinnert dagegen an »A People's History of the United States« des nordamerikanischen Historikers Howard Zinn, der die amerikanische Geschichte aus der Perspektive von sonst in der Geschichtsschreibung üblicherweise wenig beachteten Gruppen, den Besiegten, den Opfern, den Unterdrückten erzählt. Gabarron-Garcia will etwas Ähnliches. Er kritisiert im Hinblick auf einige aktuelle französische Publikationen, die Psychoanalyse sei »weitgehend, tiefgreifend und offen reaktionär« geworden. Ihr gemeinsamer Nenner ist eine besonders rückständige Variante dessen, was Robert Castel als »Psychoanalysmus« bezeichnet hat. In dieser Perspektive wird sogar die Französische Revolution zu »einer einfachen ödipalen Angelegenheit«. Eine solche vorgeblich neutrale, gesellschaftsblinde Interpretation von Gesellschaftlichem stabilisiert die etablierte gesellschaftliche Macht. An Hand von fünf keineswegs unbekannten Beispielen will Gabarron-Garcia zeigen, dass eine politisierte psychoanalytische Praxis zu einer anderen Wahrnehmung der klassischen Texte führt. Seine Beispiele sollen als Kapitel einer »Geschichte des Möglichen« verstanden werden.
Das erste Beispiel ist das 1921 von Vera Schmidt in Moskau gegründete Kinderheim. Es gehört zu den Reaktionen der Psychoanalytiker auf eine Ermahnung Freuds. Er hatte beim Weltkongress der Psychoanalyse 1918 in Budapest dazu aufgerufen, die Psychoanalyse auch Ärmeren zugänglich zu machen. Daraufhin entstand ein Dutzend Polykliniken in Budapest, Berlin, Moskau, Wien, Zagreb, London, Triest, Rom, Frankfurt. Die Voraussetzungen dafür waren im revolutionären Russland mit der Abschaffung der herkömmlichen autoritären familialen und sexualfeindlichen Beziehungen der alten Gesellschaft, der Gleichstellung der Frau, der Entkriminalisierung von Abtreibung und Homosexualität u.a. vorübergehend günstig. Vera Schmidt interessierte sich in ihrer Arbeit vor allem für