You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Für den Schwerpunkt dieses Hefts konnten wir Kai Rugenstein und Timo Storck als Gastherausgeber gewinnen, die das Thema »Eisenbahn« vorgeschlagen und die Beiträge dazu akquiriert und zusammengestellt haben. Hier ist zunächst ihre Einführung.
In Fahrtrichtung zurück blickt Freud aus dem Fenster eines Zuges, der langsam durch eine Blumenwiese fährt und den wir nach und nach aus dem Blick verlieren. So endet Yair Qedars vielgelobter, 2025 erschienener Dokumentarfilm »Outsider. Freud«. Der Film erzählt das Leben Freuds in vier Kapiteln, von denen jedes mit einer animierten, surrealistischen Eisenbahn-Sequenz beginnt. In den Diskussionen des Films wurde wenig über die Eisenbahn gesprochen, und auf den ersten Blick mag es scheinen, als ob sich das Thema »Eisenbahn« nicht ohne weiteres als Schwerpunkt für eine psychoanalytische Fachzeitschrift anböte.
Doch an zentralen Stellen der Geschichte der Psychoanalyse – einschließlich ihrer Begriffsgeschichte – taucht das Motiv des Reisens und interessanterweise insbesondere das des Reisens mit der Eisenbahn immer wieder auf. Berühmte Beispiele dafür sind Freuds Erinnerungen an die »matrem nudam« im Zug (und deren Bedeutung für die Ödipustheorie) oder seine im Dezember 1899 selbstdiagnostizierte »Eisenbahnphobie«. Auch die Bedeutung von Sigmunds jüngstem Bruder Alexander – von Freud selbst nach Alexander dem Großen benannt und einer der bedeutendsten Sachverständigen für das Eisenbahntarifwesen der österreichischen Monarchie – ist ein spannender Bereich der Freud-Biografik.
In einer psychoanalytischen Auseinandersetzung mit der Eisenbahn steckt dabei weit mehr als nur die Betrachtung der Überbrückung von Entfernungen in den ersten Jahrzehnten der Psychoanalyse, in denen sich die psychoanalytische Landkarte in Europa zunehmend ausdehnte. Die Psychodynamik der Eisenbahn erlaubt es vielmehr auch, in den Blick zu nehmen, dass und wie die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Orten und Denkrichtungen der Psychoanalyse gelingen oder missl