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Die neue und revolutionäre Technik der Eisenbahn bewegt die Gemüter im 19. Jahrhundert. Wie nicht anders zu erwarten, ranken sich viele Phantasien um sie. Von psychiatrischer Seite werden verschiedene Krankheitsbilder auf die Erschütterungen durch die Bahnwaggons zurückgeführt, vor allem die railway spine und der railway brain. Verdichtet lassen sich Phantasien und Eisenbahn-Krankheiten am literaturhistorisch bedeutsamen Bahnunfall von Staplehurst zeigen, in den 1865 Charles Dickens verwickelt war. Die Wissenschaft der Zeit bemüht sich um eine Einordnung: handelt es sich um eine mechanische Schädigung, um eine traumatische Neurose oder um eine Hysterie? Sehr genau spiegeln sich die vom Zeitgeist geprägten diagnostischen Ansätze in der Debatte um die Eisenbahnkrankheit wider. Sigmund Freud, frisch von Charcot kommend, beteiligt sich an den Kontroversen. Im Oktober 1886 hält er den berühmten Vortrag vor der Ärztegesellschaft in Wien und stellt einen Fall vor. Dieser Vortrag wurde kritisiert, Freud hat sich nachträglich zum Heroen stilisiert,
der sich für die männliche Hysterie stark macht. Das Krankheitsbild ist zu dieser Zeit aber weit akzeptiert. Vielmehr ist es Freuds Verhalten gegenüber den Wiener Kollegen, das den Unmut auslöst. Die Kluft zwischen der Psychiatrie und der Psychoanalyse öffnet sich im Jahre 1886.
Railway switches and accidents: Freud's clashes with colleagues and himself as reflected in the railway illness of 1886