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Während Erinnerung gemeinhin als etwas weitgehend Unproblematisches, klar Umgrenzbares aufgefasst wird, rückt das Nachdenken über das Wesen von Erinnerung und Gedächtnis seit der Antike ein Verständnis in den Blick, das wesentlich dynamischer, aber auch abgründiger ist. Erinnerung und Gedächtnis erscheinen hier ephemer und wesentlich prozessual, damit auch fragwürdiger. Das Rätsel der Erinnerung – und dann die Wiederherstellung eines Gedächtnisses unserer Konflikte – ist der erste und eigentliche Gegenstand der Psychoanalyse, theoretisch ebenso wie praktisch. Der vorliegende Beitrag skizziert zunächst einige Theorien der Erinnerung von Aristoteles über Husserl und Freud bis zu Derrida und Fisher. Vor diesem Hintergrund unternimmt er eine Lektüre von »Moskau – Petuški«, dem 1973 erstveröffentlichten einzigen Roman des russischen Autors Venedikt Vasiljevič Erofeev, der in der Sowjetunion erst während der Perestrojka offiziell erscheinen konnte. Dessen eigentlichen Inhalt – und zugleich seine subversive Sprengkraft – macht die Lektüre des Romans in der spezifischen Weise der Verschaltung des Rätsels persönlicher Erinnerung mit denen der großen Geschichte aus. Vermittels der literarischen Form und mit literarischen Mitteln entwirft Erofeevs Roman – im Versuch des Vollzugs der Erinnerung seines Protagonisten – eine Theorie der Erinnerung: Erzählen ist hier (der Versuch der) Erinnerung, und Erinnerung heißt Erzählen.
Riding the Rails of Memory: On Some Theories of Memory and Remembrance as Literary Form in Venedikt Vasiljevič Erofeev. –