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Etwa 350 Interviews aus den Sigmund Freud Archives der Library of Congress in Washington liegen diesem von Christfried Tögel und Jörg-Dieter Kogel vorgelegten Band als »Kernstück« zugrunde. Die beeindruckende Liste der Namen samt Lebensdaten, kurzen biografischen Notizen und Datum der Aufzeichnungen, beginnend mit Hilda Abraham und endend mit Beatrice Zweig, wird im Anhang abgedruckt. Die Autoren wollten einen für Freud-Biografen und Historikerinnen der Psychoanalyse lange Zeit etwas sagenumwobenen Archiv-Bestand, den der exilierte Wiener Psychoanalytiker Kurt Rudolf Eissler ab Anfang der fünfziger Jahre, als die Freud-Biografik mehr und mehr Fahrt aufnahm, zusammengetragen hat und der gleichwohl für Dekaden gesperrt war und zumindest für einige Interviews weiterhin auch noch bleibt, erschließen.
Ziel, wie es die Autoren formulieren, sei Folgendes gewesen: »Möge dieses Buch dazu beitragen, bisher eher verborgene Seiten Freuds ein wenig sichtbarer zu machen und zu verstehen, wieso verschiedene Menschen Freud unterschiedlich wahrgenommen haben« (S. 14). Die Autoren sichteten 12.000 Seiten der Interviews und kamen auf den Gedanken »ein Büchlein vorzulegen, das »Tratsch« in eine Beschreibung von Freuds Leben einfließen läßt« (S. 12). Deshalb nennen sie den Untertitel des Buches »Biographische Vignetten mit etwas Tratsch«, und versuchen in einem Exkurs die Frage, »Was ist Tratsch?« zu klären und, wie es scheint, eine Lanze für den Tratsch als wichtige Quelle der historiografischen Forschung zu brechen. »Eine eindeutige Definition von Tratsch gibt es nicht, aber in der Regel wird Tratsch verstanden als eine informelle Konversation über eine dritte abwesende Person. Diese Definition schließt sowohl positive als auch negative Bewertung ein sowie sowohl wahre als auch falsche Informationen« (S. 11). Und weiter führen die Autoren verschiedene Motive für Tratsch an: »Spaß haben, Langeweile vertreiben und Emotionen ausdrücken. … die Themen sind breit gefächert, wobei die häufigs