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Goldy Parin-Matthèy war eine beeindruckende, politisch links denkende und handelnde Psychoanalytikerin, eine kosmopolitische, moderne Frau des 20. Jahrhunderts. Sie, bisher vor allem bekannt im Schweizer Dreigestirn Parin-Parin-Matthèy-Morgenthaler, »verstand sich nicht als Autorin«, wie die Herausgeber Michael und Johannes Reichmayr in ihrer Einleitung schreiben, sie verfolgte »keine eigenen wissenschaftlichakademischen Interessen, für sie war die gemeinsame Arbeit und die Erfahrungen, z. B. bei den psychoanalytischen Feldforschungen, wesentlich« (S. 7). Dennoch werden in der ersten Hälfte des vorliegenden Buches Texte aus ihrer Hand vorgestellt, die zweite Hälfte befasst sich mit Beiträgen zu ihrem Leben und Werk.
Das Buch beginnt mit drei Fallgeschichten ihrer analytischen Arbeit. 1958 hält sie in der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse ihren Aufnahmevortrag über ihre Analyse eines Musikers mit dem Titel »Das Wunderkind und sein Scheitern«. Danach reihen sich zwei Fallgeschichten aus der ethnopsychoanalytischen Forschung in Westafrika an, die jeweils in den Buchpublikationen der genannten drei Autoren abgedruckt waren. Dazu kommen im vorliegenden Band kleine und unterschiedliche Textsorten, so etwa Briefe, Buchbesprechungen, Nachrufe, die Abschrift von Gesprächen und autobiografische Notizen. Der zweite Teil des Bandes versammelt Beiträge zu Leben und Werk und stellt Goldy Parin-Matthèy und ihre unterschiedlichen biografischen Lebensstationen als Tochter aus protestantisch wohlhabendem Hause (vielleicht könnte man es auch einen Clan nennen) mit Schweizer Staatsbürgerschaft bis zum wirtschaftlichen Ruin des Vaters, ihren schulischen und intellektuellen Werdegang, das sie politisch inspirierende Grazer Milieu in den dreißiger Jahren, ihren Entschluss, sich den Spanienkämpfern anzuschließen und schließlich – nach Internierung – 1939 in Zürich Fuß zu fassen. Franz Josef Schober zeichnet diese Stationen akribisch nach und Günter Eisenhut widmet sich insbeso