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Auf 730 Seiten präsentieren die Erfolgsautorin Christina von Braun und ihr Partner, der Psychiater und Psychoanalytiker Tilo Held, eine Geschichte der Beschäftigung mit dem Unbewussten und dessen Bedeutung für die gesellschaftliche und politische Entwicklung Europas. Bereits in der Einleitung weisen sie darauf hin, dass die Psychoanalyse erstmals in den 1960er-Jahren in Deutschland als kassenfinanzierte Behandlung anerkannt wurde. Einige andere Länder, unter anderem Österreich, die Schweiz und die skandinavischen Staaten folgten dieser Möglichkeit, dass auch materiell schlechter Gestellte diese Therapie in Anspruch nehmen können. Die Autoren gehen zurück in die Zeit der Aufklärung und die darauf folgende Romantik und erwähnen gleich zu Beginn Henri Ellenbergers »großartige« Geschichte der Psychotherapie (14). Die Religion verlor an Macht, die Interessen der Individuen wurden ab dem 18. Jahrhundert vor allem mit den Revolutionen in Frankreich, England und den USA wichtiger und damit die für die Autoren die Beschäftigung mit dem Unbewussten. Insbesondere der Protestantismus und das Judentum hätten mit ihrer Betonung der Individualität hierbei eine wichtige Rolle gespielt, wobei das entsprechende bahnbrechende Werk von Peter Gay nicht erwähnt wird. Philosophisch hätten vor allem Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche großen Einfluss gehabt. Auch begleitete das Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und Hermeneutik die Psychoanalyse von Anfang an. Für eine akademische Disziplin in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war es völlig ungewöhnlich, dass Frauen in der Psychoanalyse von Anfang an eine prominente Rolle spielten und dass Angehörige verschiedenster Berufsgruppen aktiv an der Mittwochsgesellschaft teilnahmen.
Kapitelüberschriften und Textinhalte betonen häufig das Unbewusste, sowohl beim Individuum als auch in der Gesellschaft – »Eine Gesellschaft auf der Couch« lautet dazu passend der Untertitel des Buches. Die Autoren vernetzen Psychoanalyse und Politik, geh