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»Kritik an Israels Politik ist antisemitisch!« Wirklich und ausnahmslos? Oder ist diese Aussage längst zum spaltenden Algorithmus geronnen? Differenzierung erscheint überfällig! Kraft interdisziplinärer Analyse gelingt das der Frankfurter Professorin und Psychoanalytikerin Ilka Quindeau mit ihrem Buch »Psychoanalyse und Antisemitismus«. Das auf ihrer Frankfurter Adorno-Vorlesung 2023 beruhende Buch hat eminent zeitgeschichtliche Bedeutung, auch weil sie mit gängigen Klischees aufräumt. Dazu re-definiert die Autorin zunächst das Verhältnis von Kritischer Theorie und Psychoanalyse. Letztere wird nicht sozialpsychologisch »angewandt«, wie es z. B. die Mitscherlichs in »Die vaterlose Gesellschaft« taten. Stattdessen wird diese selbst als kritische, konstruktivistische Wissenstheorie, als »tiefenhermeneutische« Forschungsmethode im Sinne von Alfred Lorenzer und Klaus Horn begriffen. Mit dieser Methode wird die komplexe, im je individuellen Unbewussten sich sedimentierende Verschränkung von Vergesellschaftung und Subjektkonstitution »de-konstruiert«. Von allgemeiner Bedeutung ist zunächst die Kritik an der von Adorno et al. in »Studies in Prejudice« und der Folgestudie am Frankfurter Institut für Sozialforschung (»Gruppenexperiment«, ) nahegelegten Kausalität von autoritärem Charakter und Antisemitismus. Quindeau re-kontextualisiert und interpretiert diese Studien nun tiefenhermeneutisch: nicht ein – inzwischen psychohistorisch stark abgemildeter – autoritärer Charakter, sondern die strukturelle Gewalt einer von extremer sozialer Ungleichheit gekennzeichneten Gesellschaftsform sei für Aggression und Gewalt in Subjektkonstitution und Zusammenleben der Subjekte maßgeblich. Nur durch ökonomische Demokratisierung, durch Veränderung der Herrschaftsform, könnten heute die zur Abfuhr drängenden Aggressionspotenziale gemäßigt werden. Auf dieser Folie überzeugt ihre These: Antisemitismus ist die mehr oder weniger bewusste Semantik für eine als kollektiv unbewusste Regression zu