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Ebenso wie die Grundlagen und Methoden der Philosophie und aller Wissenschaften wird auch das ewig verpflichtende Bild humanitären Menschentums den Griechen verdankt. Piaton ist es, der auch eine Psyche wie Soma gleicherweise umgreifende, also nach dem heutigen Sprachgebrauch ganzheitliche, Psychotherapie schaut und formuliert. Während gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Unzulänglichkeit einer Einzelwissenschaft — der Neurologie — und die konkreten Anliegen und Nöte der Sprechstunde Sigmund Freud die Impulse zur Begründung einer ärztlichen Seelenheilkunde vermitteln, mag den philosophischen Seher Piaton bei seiner Konzeption einer Tiefenpsychologie die Besorgnis um die spezifische Gefährdung des Menschen geleitet haben. Bestimmen sich für Piaton doch Wesen und Aufgabe des Menschen letztlich und entscheidend aus seiner Teilhabe an der Welt des Geistes und der Werte. Wobei der Mensch aber, was Piatons Anthropologie gleichsinnig mit den späteren der Scholastik, Luthers oder Kants etwa konstituiert, als civis duorum mundorum gesehen und gefaßt wird. Als Erscheinungsform des „Anderen“, das den Menschen von seinem Mete-chein (der Teilhabe) an den Ideen abzuziehen vermag, erkannte Platon mit letzter Klarheit auch die Krankheiten, einschließlich die körperlichen; also die bei ihnen obwaltenden psychogenen Faktoren. Nach reichlich zwei Jahrtausenden haben wir Piatons Aufriß einer Psychotherapie kaum etwas Beachtliches hinzuzufügen. Wohingegen wir uns von ihm eindringlich daran müssen gemahnen lassen, daß jegliche Psychotherapie scheitern muß, die nicht der anthropologischen Doppelheit des Menschen bündig Rechnung trägt. — Bei der anschließenden Wiedergabe der Dialogstellen lassen wir das auf andere Themen Bezügliche fort. Wir geben den Text wieder nach: Platon, Sämtliche Werke. Berlin o. J., Lambert Schneider. 3 Bände.
Aus dem Charmides, 154Dff.:
Kritias zu seinem Diener: Junge, rufe mir den Charmides her und sag‘ ihm, ich wolle ihn einem Arzte vorstellen wegen des Übe