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Die Wesensanalyse der tiefenpsychologischen Situation bei der Behandlung einer Neurose führt vor eine Reihe von Fragen, deren einigen wir uns im folgenden zuwenden wollen. Was wir dabei erörtern, zielt nicht darauf ab, neue psychotherapeutische Behandlungswege zu eröffnen. Es geht vielmehr rein um das existentielle Verständnis dessen, was geschieht, wo Psychotherapie, gleichviel an welche Methode sie sich binde, aus wirklicher lebendiger Produktivität heraus geleistet wird. Und zwar beschäftigen uns diese Fragen nicht allein im Hinblick auf den Patienten und seine Heilung, sondern genau so sehr im Hinblick auf den Therapeuten und seinen Einsatz und die wesensmäßige Dialektik, die sich im Vorgang der Behandlung zwischen beiden ereignet. Wir meinen, daß es in der Heilung um eine Seinswandlung geht und damit letztlich um ein Urphänomen des Lebens, und es interessiert uns im Moment nicht so sehr das, was bewußt und greifbar in der Behandlung getan wird, als das, was an existentiellem Geschehen quer durch alle psychologischen Behandlungsmaßnahmen hindurch verläuft, welcher Art sie auch seien, sofern sie nur echt geschehen, das heißt, der Therapeut im Wesensgrund offen ist gegenüber dem Grundcharakter existentiellen Geschehens schlechthin. Es versteht sich, daß wir eine Sicht des existentiellen Aspekts der Neurose bei allem, was wir hier abhandeln, schon voraussetzen müssen. Ob wir mit diesem der Psychotherapie als Wissenschaft im engeren Sinn einen Dienst erweisen, bleibe dahingestellt. Ihr muß aber vielleicht, so sehr sie sich bemühen mag, sich wissenschaftlich auszusprechen, stets ein „esoterischer“ Zug anhaften bleiben, von dem gilt, was Goethe den Gesteinsforscher Montan, dem er die Weisheit des Resignierenden in den Mund legt, sagen läßt: „Das Liebste, und das sind doch unsere Überzeugungen, muß jeder im tiefsten Ernst bei sich selbst bewahren, jeder weiß nur für sich was er weiß und das muß er geheim halten. Wie er es ausspricht, sogleich ist der Widerspruch rege,