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Wenn man von den Einsamen spricht, setzt man immer zuviel voraus. Man meint, die Leute wüßten, um was es sich handelt. Nein, sie wissen es nicht.
Upter den Klagen, die wir von neurotischen Menschen in unserer Praxis zu, hören bekommen, ist die Klage über Einsamkeit eine der häufigsten und eindrucksvollsten. Es versteht sich, daß es sich bei diesem neurotischen Einsamkeitsgefühl um eine besondere Form von Einsamkeit handelt, die wir zunächst klären müssen, ehe wir ein tieferes Verständnis für das Problem gewinnen können. Ein Leuchtturmwärter auf einer Schäreninsel, die nur zwei- oder dreimal im Jahr angelaufen wird, ist in einem anderen Sinne ent-sam als ein Mann, der als Kriegsgefangener seiner Familie, seinen Freunden und seiner Heimat durch Gewalt ferngehalten wird. Und wiederum ist es eine besondere Form von Einsamkeit, wenn ein Mensch, dem alle Möglichkeiten zur Gewinnung lebendiger Beziehungen mit der Umwelt wie jedem anderen zur Verfügung stehen, sich mit der Klage an uns wendet, er fühle sich einsam mitten unter den Menschen. Ein alter Mann, der seine eigene Familie, seine Freunde aus der Jugendzeit überlebt hat, nennt sich vereinsamt, weil er zu der Welt, die ihn im hohen Alter umgibt, keinen Kontakt mehr besitzt. Und doch brauchte er nicht einsam zu sein, ebensowenig wie der Leuchtturmwärter und der Gefangene. Der Begriff Einsamkeit wird deutlicher, wenn die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt in ihrer! Gegensätzlichkeit verstanden wird. Eigentlich ist es nur unser Körper, der, ein „Individuum“, vom Augenblick der Geburt bis zum Tode an in der Trennung von anderen Körpern lebt, der uns dazu veranlassen kann, von einer natürlichen Einsamkeit des Menschen zu reden. Hesses Spruch: „Leben ist einsam sein“, ist also eigentlich materialistischer Herkunft. Denn wenn wir uns dem Seelenleben des Menschen zuwenden, gewahren wir, daß das Gesicht der Frage sich wesentlich ändert. Ist der Mensch mit seiner Erinnerung, also mit seiner persön