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„Dem Geheimnis des Seienden gegenüber ist Apperzeption unmöglich. Aber Kontakt mit ihm, Begegnung mit ihm, Umgang mit ihm ist möglich, und eben darin konstituiert sich das Leben der Seele mit der Welt. Wodurch aber all dies, von unserer Seite aus, möglich ist, dies eben darf als das eingeborene Du bezeichnet werden.“
Der Psychotherapeut hat es bei den typischen Fällen seiner Praxis nicht mit einer Krankheit am Menschen zu tun, sondern er steht als Arzt dem in seiner seelischen Existenz erschütterten einzelnen Menschen gegenüber. Hier befindet er sich am eigentlichen Quellort seiner therapeutischen Erfahrung und Aufgabe.
Krankhafte Störungen der seelischen Gesamtkonstitution, wie sie dem Psychotherapeuten zugewiesen sind, pflegen wir als „Neurosen“ zu bezeichnen. Genügt es aber zu sagen, daß die Neurose ein krankhafter Störungszustand der einzelnen Seele sei? Nein! Wir kommen der Wirklichkeit näher, wenn wir hervorheben: sie ist eine grundlegende funktionale Störung des einheitlichen Verhältnisses dieser Seele zu der Welt, in die; sie schicksalhaft eingesetzt ist.
Da es sich hier also um eine Störung des Seele-Welt-Verhältnisses handelt, ist sogleich ergänzend zu betonen, daß die Neurose ihre Wurzel nicht nun in der Seele, sondern auch in der Welt hat. Die Neurose wurzelt sowohl im seelischen Leben des Einzelnen als auch in den geistig beistimmten Ordnungen seiner Umwelt, in die er als Person verantwortlich hineingestellt ist und mit der er in unlösbarer Wechselbeziehung steht. Die geistige Verfassung der Welt, die sich in den überlieferten Lebensordnungen verkörpert und deren Auswirkungen wir im allgemeinen Notstand der menschlichen Gemeinschaften beobachten, ist mitschuldig an der Entstehung der Neurose. Aber dieser zweite Wurzelbereich ist der direkten ärztlichen Einwirkung entzogen. Wir können nicht die Allgemeinheit zur Verantwortung ziehen, sondern wir haben uns mit der andern Seite in diesem auf Gedeih und Verderb verbundenen Zusammenhang zw