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Die Verwandlung, die sich an der deutschen Jugend vollzieht, und die man in einem allgemein beschreibenden Sinn Verwahrlosung nennen kann; ist deshalb so beunruhigend, weil es sich kaum noch um einen sozialen Teilprozeß, sondern eher um ein Generationsproblem handelt. Mit dieser phänomenologischen Einordnung wird hier ausdrücklich keine moralische Stellungnahme verbunden. Es wird auch nicht auf die unzweifelhaft nachweisbaren Ausnahmen Rücksicht genommen, weil, um es zu Anfang nochmals zu betonen, eine generelle Definition beabsichtigt, nicht aber ein pauschales Urteil abgegeben wird. Der Einzelne ist durch sie genau soweit getroffen, als er vom allgemeinen Schicksal erfaßt und geprägt wurde, und sich diesem Griff nicht zu entziehen vermochte.
Vielleicht deckt sich in mancher Hinsicht die Lebenslage der gesamteuropäischen Jugend, vielleicht sogar der russischen und amerikanischen mit der deutschen. Dies wird trotzdem nicht beachtet, sondern es wird allein von der deutschen Situation ausgegangen, um die an sich schon verwickelten Zusammenhänge nicht noch weiter ins Unüberschaubare verfolgen zu müssen. Der Einfluß von Krieg und Wirren der Nachkriegszeit auf die Entstehung des gegenwärtigen Lebensgefühls ist unverkennbar. Dunkler ist schon die Frage, wieweit der Umschlag in diesen Krieg bereits in allergrößtem Ausmaß eine abnorme psychische Verfassung zur Voraussetzung hatte. Denn die Verwahrlosung, ein Ausdruck der aktuellen Not, hat keineswegs die jungen Menschen allein ergriffen. Vielmehr droht unsere ganze Gesellschaft an der Dissozialität ihrer Mitglieder zu zerbrechen. Es ist nicht so, als ob in einen gesunden Sozialkörper von unten herein disziplinlose, kalt-egoistische, zynische, arbeitsscheue Jugendliche eindrängen, sondern umgekehrt, dieser Verfall der Gesittung reicht nun bis zu Jugendlichen und Kindern hinab und bewirkt dort die den infantilen Entwicklungsstufen entsprechenden Bilder. Mancher dieser 12-, 14- oder 16jährigen Vagabunden, Gelegenheitsdiebe, ode