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Es ist ein alltägliches Vorkommnis, welches in diesem Briefwechsel zur Sprache kommt. Einem Kranken, der eine schwere Erkrankung durchgemacht hat, fällt auf, daß trotz ausgiebiger sachgemäßer Behandlung seine Gesundung und Wiederherstellung nicht mehr vorangehen will, und daß dieser Stillstand der Besserung auf halbem Wege einem schweren Defektzustand gleichkommen würde. Der bisherige Fluß des Geschehens, der seine Hoffnungen und Erwartungen trug, fängt an sich zu stauen und drängt heftig nach einem Ausweg aus dieser Bedrängnis. Um jeden Preis und, wenn es sein muß, auf die abenteuerlichste Weise — das ist die Wendung, die zu nehmen unser Kranker in dieser kritischen Situation sich anschickt und die seinen Brief erfüllt. Dieser Krise mußte in der Antwort begegnet werden, sofern die Therapie nicht nur die Krankheit, sondern — umfassender — auch die vom Kranken so extrem vollzogene Objektivierung der Krankheit treffen wollte.
Der Kranke, den ich persönlich nicht kennengelernt und auch nicht untersucht habe,
schreibt: „Sehr geehrter Herr Professor!
Bevor ich mich mit einer großen Bitte an Sie wende, möchte ich um Entschuldigung bitten, daß ich Ihre kostbare Zeit beanspruche. Indessen glaube ich, es trotzdem wagen zu dürfen, auf die Gefahr hin unbescheiden und aufdringlich zu erscheinen, da es sich für mich um Sein oder Nichtsein handelt. Wenn ich daher heute mit einer nicht alltäglichen Frage an Sie herantrete, so geschieht das aus eben dieser Not heraus und bitte ich Sie herzlich, mir mit Rat und Tat zu helfen.
Seit dem 10. 10. 1944 leide ich an den Folgen einer Poliomyelitis.*) Während ich anfangs so gelähmt war, daß ich mich nicht im Bett herumdrehen konnte, hat sich mein Zustand jetzt so weit gebessert, daß ich sitzen und auf einem Bein stehen kann. Alle wichtigen Muskeln werden innerviert, jedoch handelt es sich zum großen Teil um so geringe Spuren, daß ich das praktisch nicht auswerten kann. Trotzdem habe ich 19 Monate mit großer Energie und unter Zuhilfenahme von St