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Im November 1946 wurde Anna Freud, die Verwahrerin des großen Werks ihres Vaters, in der UNESCO in Paris durch die Prinzessin Marie Bonaparte eingeführt, diese selbst eine, bevorzugte, durch ihr psydhoanalytisch-biographi-sches Werk über Edgar Allan Poe bekanntgewordene Schülerin Freuds. In diesem Vortrag beschreibt Anna Freud in Kürze die außerordentlich interessanten Beobachtungen an heimatlos gewordenen Kindern, die in den Kinder-bewahranstalten von Hampstead. während des zweiten Weltkrieges durch ihre Hände gegangen sind — insgesamt etwa 20000 Kinder, hauptsächlich zwischen ein und sechs Jahren. Übereinstimmend mit den in Psychoanalysen neurotischer Erwachsener gewonnenen Ergebnissen erwiesen sich diese Kinder zunächst als kleine Wilde, ihr Zusammenleben vom Recht des Stärkeren beherrscht, das Triebleben von sexuellen und aggressiven Impulsen durchsetzt. Das Kleinkind ist also, sich selbst überlassen, nach diesen Beobachtungen ein reines Triebwesen und dem Primitiven viel näher als dem normalen Erwachsenen der zivilisierten Gesellschaft. Das eigentliche Unglück für diese Kleinkinder war nach Anna Freud nicht äußere Kriegseinwirkung, sondern der Schock der Trennung von den Eltern, wurden doch zunächst die Väter eingezogen, dann die Mütter für die Kriegsindustrie mobilisiert. Unter dem Einfluß dieses Trennungsschocks wurden die Kleinen weitgehend asozial, wild, aggressiv, schmutzig: die ihnen bereits vertraut gewordenen primitivsten Erziehungserrungenschaften verschwanden, zugleich mit dem Bild der Eltern. Um diese in den Frühstadien der Gewissensentwicklung sich selbst überlassenen Kinder zu erziehen, wurde von Anna Freud und ihren Mitarbeiterinnen zunächst der Versuch unternommen, Gemeinschaften zu bilden, in denen die Kinder sich gegenseitig erziehen sollten. Es war auf diese Weise die Entstehung einer primitiven Gemeinschaft zu beobachten, in der das Recht des Stärkeren absolut regierte. Die Kleinsten taten, was die Älteren wollten, die Älteren beschützten die