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Nicht die Breite der klinischen Erfahrung hat die singulare, im eigentlichen Wortsinne maßgebende Bedeutung der allgemeinen Psychopathologie von Karl Jaspers von der ersten Auflage an bewirkt. Vielmehr waren es andere Momente: die methodologische Klarheit und begriffliche Präzision, die grenzenlose Aufgeschlossenheit für die Fülle der unmittelbar erlebten pathopsychi-schen Phänomene in eins mit der kritischen Zurückhaltung gegen alle sie beengenden oder vergewaltigenden Theorien; der hohe erfüllte Selbstanspruch hinsichtlich der psychopathologischen Bildung; die nie ermüdende Wachheit des umfassenden Wissens um die Grenzen des Erkennens und Erkannten, die in einem spürbaren, obzwar früher noch nicht erhellten philosophischen Ursprung wurzelte — diese Faktoren haben, zu einer überzeugenden Einheit vereinigt, die Großartigkeit und den Ruhm des Werkes begründet. Daher kommt es, daß, wenngleich man jetzt da und dort einen gewissen Mangel des Kontaktes mit der bedrängenden Erfahrung zu empfinden meint, man davon trotzdem nicht enttäuscht ist, wohl aber von Anfang bis zu Ende von der Souveränität fasziniert bleibt, mit welcher Jaspers — dank des nunmehr ausgeformten philosophischen Impulses — „statt einer bloßen Bearbeitung noch einmal das Ganze“ entworfen hat. „Die Absicht dieses Buches“, schreibt der Verfasser im Vorwort zur neuen, bereits 1942 abgeschlossenen und nur noch durch einige Hinweise auf seither erschienene Literatur ergänzten Auflage, „ist unverändert geblieben. Die Durchführung forderte jedoch eine völlige Neugestaltung. Diese war notwendig sowohl durch das Ausmaß der in der Psychopathologie seit zwei Jahrzehnten geleisteten Forschungsarbeit wie durch die Vertiefung meines eigenen Grundwissens“. Die völlige Neubearbeitung ist nicht so zu verstehen, daß vom früheren Text gar nichts übernommen worden wäre; aber das meiste wurde neu formuliert und das Buch gegenüber der letzten Auflage () um rund 300 Seiten erweitert. Der Versuch einer adäquaten Inhaltsangabe