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Der Mensch unterscheidet sich von allen Lebewesen grundsätzlich darin, daß er um die Geschichtlichkeit seines Lebens weiß. Er hat darum die Möglichkeit — und zugleich die Aufgabe — sein Dasein zu gestalten. Wenn die Tiere ihr Leben leben, so muß der Mensch es führen.
Hier soll uns das Problem der Lebensführung — also der verantwortlichen Selbstgestaltung — in bezug auf seine Zeitstruktur beschäftigen. — Unser Leben ist zeitlich begrenzt. Wir wissen: Einmal wird das Ende da sein, und wir fürchten uns davor. Darum müssen wir von der Vergänglichkeit sprechen und vom Versuch ihrer Überwindung.
Wir wissen um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; wenigstens können wir darum wissen, wenn wir uns Vergangenes oder auch Zukünftiges vergegenwärtigen. Wir können uns in Lagen von früher, aber auch in mögliche zukünftige Situationen versetzen. Diese Möglichkeit ist das Zeugnis der seltsamen Weise unserer Freiheit.
Seltsam darum, weil wir die Wahl nicht haben, in instinkt-abhängiger Unmittelbarkeit — also unfrei — zu leben.*) Wir sind in die Freiheit gezwun- gen und darum ist uns das Leben nicht schlechthin gegeben, sondern auf-gegeben. Die menschliche Freiheit ist auch die menschliche Not.
Diese seltsame Lage nötigt uns, unser Leben auf Zukunft hin zu bestimmen, und dies heißt nichts anderes, als daß wir's so zu führen haben, daß es uns sinnvoll erscheint. Da wir die Freiheit haben, unser Leben zu gestalten, sind wir vor die Aufgabe gestellt, ihm einen Sinn zu finden und zu geben, ohne daß doch eine unseren Sinnen unmittelbar anschauliche Instanz da wäre, die diesen Sinn mitteilte.
Die bisherige Auskunft genügt aber noch nicht, um verständlich zu machen, warum das richtige, das heißt, sinnvolle Werden ein so brennendes Anliegen der Menschen ist, warum wir uns nicht vielmehr mit dem heiteren Spiel begnügen, als die Wisser um Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit, die Wisser also um eine individuelle Geschichtlichkeit, zuschauend an den Spielen der Freiheit uns zu ergötzen. Die Auskunft,