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Es ist unverkennbar, daß gegenwärtig ein lebhaftes und vielartiges Bemühen um eine Erkenntnis der organischen Krankheiten im Gange ist, die besser oder vollständiger sein möchte, als die der naturwissenschaftlichen Medizin, Meist handelt es sich darum, durch psychologische Untersuchung die organischen Krankheiten nach Entstehung, Fortschritt und Wesen weiter aufzu- klären. Dabei sind die benutzten Arten von Psychologie so verschieden, daß ihre Anwendung in der Praxis zu geradezu entgegengesetzten, unter Umständen sogar einander aufhebenden Ergebnissen führen müßte. So kann eine charakterologische Testprüfung die Eigenschaft „Geiz“ als Merkmal der Person ergeben; während eine Psychoanalyse zeigt, daß es sich gar nicht um Geiz, sondern um eine abnorme erotische Triebverwendung handelt. Auf einen organisch Kranken angewendet, würde aber das erste einen Beitrag zur Kon-stitutions- oder Erbpathologie geben, das zweite eine Erweiterung der Funktionspathologie darstellen, bei der eine meist äußere Störung eine Reaktion hervorruft. Es ist aber klar, daß die erste Vorstellung eine mehr fatalistische, die zweite aber eine aktivistische ärztliche Haltung zur Folge hat.
Es ist nicht zu erwarten, daß ein Überblick über die so verschiedenen Bestrebungen zutage bringt, ob sich hinter dem Wunsche nach mehr Psychologie in der Medizin nicht doch ein gemeinsames Motiv verbirgt. Ich habe hier einen anderen, sehr anspruchslosen Grund, die verschiedenen Reformbemühungen kurz und unsystematisch aufzuzählen: es soll nur das Unterfangen begründet werden, daß ich, auf Einladung eines der Herausgeber der PSYCHE, hier einige klinische Vorlesungen zu veröffentlichen wage.
Die naivste und wahrscheinlich verbreitetste Art, Körperliches und Seelisches zu verbinden ist die, daß man die Körperstörung einfach als gegeben nimmt und die Seele darauf reagieren läßt wie die Saite auf den Bogenstrich. Jemand habe also ein Magengeschwür bekommen und sei dadurch schmerzgeplagt, nervös, müde und verdrossen gew