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Das außerordentlich reichhaltige und tief eindringende neueste Werk des englischen Psychoanalytikers und Soziologen ist noch während des Krieges geschrieben und unmittelbar vor Kriegsende erstmals erschienen. Der Verfasser, der sich durch seine „Geschichte der Psychologie in den letzten hundert Jahren“ große Verdienste erworben hat, verwertet in dieser Arbeit die Ergebnisse der psychoanalytischen Forschung auf dem Gebiet der Gewissensbildung für die Erkenntnis soziologischer Erscheinungen und Entwicklungen. Obgleich Schüler Freuds und sich zur Freudischule bekennend, ist Flugel weit davon entfernt, einen engen und einseitigen Standpunkt zu vertreten, er verwendet im Gegenteil auch die Ergebnisse anderer psychologischer Schulen, so zum Beispiel Adlers, greift auf William James, auf englische, nicht der Psychoanalyse angehörige Psychologen wie Baldwin und Mc Dougall zurück. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die schwierige, noch lange nicht vollständig geklärte Frage der Über-Ich-Bildung beim Kinde, in ihrem Zusammenhang mit dem bewußten Ichideal des Menschen, und die weitgehend unbewußt gesteuerte Einstellung der Menschen gegenüber Moral, Konvention, Parteien, Staat und Nation, Religion, Krieg und Frieden. In neunzehn Kapiteln behandelt der Autor zunächst die allgemeinen Probleme, die sich aus den Beziehungen von Psychologie und Moral, Gewissen und Willensbildung ergeben, geht dann auf die speziell psychoanalytischen Aspekte der Moralentwicklung des Ichideais, der Zusammenhänge zwischen Strafbedürfnis, Aggression und Über-Ich-Bildung ein, behandelt dann im Anschluß an Freuds „Totem und Tabu“ das Tabuproblem nicht nur in primitiven Gesellschaften, sondern auch in dessen modernen Resterscheinungen und schneidet damit die eigentlich soziologischen Fragen ah, die für unsere heutige Zeit so brennend sind. Besonders wichtig erscheint im dreizehnten Kapitel die Betrachtung über die Projektion des Über-Ichs auf staatliche und so weiter Instanzen sowie über den Einfluß von