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Daß die philologische Märchenforschung schon seit langem auf einem toten Punkt angelangt ist, wird von keinem geringeren als von Professor Fr. Ranke in seinem Sammelreferat „Märchenforschung“1) zugegeben, wo er vom „grenzenlosen Ozean der Texte“, von der „verwirrenden Fülle der Untersuchung“ bei der „zunächst entmutigend geringen Zahl gesicherter Ergebnisse“ spricht. Diese Feststellung müssen wir durchaus bejahen, dagegen die weitere Folgerung desselben Autors mit einem merklichen Fragezeichen versehen: „Jedenfalls sehe ich keinen anderen Weg, die Rätsel unserer Märchen zu lösen, als die gründliche Erforschung der einzelnen Typen, ihrer literarischen und mündlichen Verbreitung und Entwicklung unter Heranziehung aller nur irgend erreichbarer Varianten“ – denn wir vermuten, daß gerade die hier formulierte Methodik es sei, mit deren Hilfe die Forschung wie bisher so auch in Zukunft Schiffbruch erleiden werde.
In seiner ausgezeichneten Studie „Griechische Götter“ spricht Friedrich-Georg Jünger2) von dem „historischen Bewußtsein, das dem Mythenforscher immer wieder den Weg ins Innere verlege“. Ein solches Unternehmen, so sagt er, würde nichts anderes bedeuten, als daß er die Wirklichkeit, die er beschreibt, selbst auflöst, indem er an ihre Stelle, an den Ort einer bestimmten Anschauung Prinzipien der Entwicklung, abstrakte Formeln und Grundsätze einrückte, die aus dieser Anschauung ein bloßes Mittel der Darstellung machen. In der Tat geben ihm fast alle Veröffentlichungen recht, die sich mit der Deutung von Märchen, den nahen Verwandten der Mythen, beschäftigen. Erschöpfen sie sich doch in dem Versuch, die reiche Fülle des Stoffes unter historisch-philologischen Gesichtspunkten so oder so geordnet vor den Augen des Lesers auszubreiten. Wagen sie es aber hin und wieder, angeregt durch die Erfahrungen neuerer psychologischer Forschung, mit Hilfe eigener Intuition sich des Inhaltes zu bemächtigen, so ergeht es ihnen nicht besser, weil sie nicht die Fähigkeit besitzen oder de