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Bei einer Untersuchung über die Frage der Wahl des erzieherischen Berufes muß betont werden, daß eigene Kindheitserlebnisse, deren Nachwirkungen sich im Seelenleben - dem bewußten und unbewußten - fixiert haben, beim Erzieher von besonderer Bedeutung sind. Wenn auch spätere Eindrücke und Entwicklungen, die den jungen Menschen formten und seinen Interessen die Richtung gaben, nicht übersehen werden dürfen, so weisen doch tiefenpsychologische Erkenntnisse darauf hin, daß sie als wirkliche Triebkraft des Berufswunsches nicht an erster Stelle stehen. Seit wir gelernt haben, hinter die äußeren Erscheinungsformen zu blicken, müßte man versuchen, jeden Einzelfall auf seinen individuellen Entwicklungsgang hin anzusehen.
Es erscheint uns nicht ratsam, jedem Mädchen, das Kinder gern hat und sich zu ihnen in Herzlichkeit hingezogen fühlt, wegen ihrer ausgeprägten „Mütterlichkeit“ die Eignung zum Erzieherberuf zuzusprechen. Fraglos wird ein junges Mädchen gerade dann der Erziehertätigkeit zugeneigt sein, wenn sie dem mütterlich-weiblichen Typ zugehört. Daß aber diese in erster Linie gefühlsmäßige Haltung nicht den alleinigen Ausschlag bei der Berufsberatung geben darf, weil noch ganz andere Motive mitschwingen können, wird aus unseren Erörterungen klar werden. Bei etwas älteren Mädchen, die aus irgendwelchen äußeren Gründen vor eine Berufswahl gestellt werden oder aus Neigung einen Berufswechsel vornehmen, spricht sehr häufig die unausgelebte Mütterlichkeit mit, wenn es sie zur Beschäftigung mit Kindern drängt. Sicherlich kann die mütterliche Erzieherin Kindern viel Gutes tun und ihnen die Wärme geben, die wünschenswert ist, und es sei hervorgehoben, daß das Gefühlsmäßige im Verkehr mit Kindern bei der Schaffung einer günstigen Atmosphäre durchaus nötig ist. Die Erzieherin selbst wird oft für eine mehr oder weniger lange Zeitspanne in ihrer Tätigkeit Befriedigung finden, wenn eine gute Sublimierung stattfand. Diese psychisch günstige Situation hält nicht