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Wenn bei manchen Naturvölkern ein Stammesangehöriger von einer Lungenentzündung befallen wurde, so sagte er wohl zu den Seinen: Mein großer Bruder im Walde, die Riesenschlange, hat sich beim Kriechen durch die Hecke an der Brust verletzt, darum bin ich krank. Und wenn der Mann an seiner Krankheit starb, dann waren seine Angehörigen davon überzeugt, daß auch sein Tierbruder draußen umgekommen war.
So eng spürte der primitive Mensch die Verbindung mit dem Tier, daß er alles Erleben mit ihm teilte, daß Ursache und Wirkung unterschiedslos von einem auf den anderen überzugehen schienen. Die scharfe Grenze, die wir heute zwischen Mensch und Tier zu ziehen gewohnt sind, bestand in alten Zeiten sicher nicht. Das Tier galt vielmehr als nah verwandt mit dem Menschen, oft auch mit den Göttern. In manchen Völkern sah man in bestimmten Tieren die Stammväter bestimmter Menschengruppen, die mit ihnen durch gleiche Eigenschaften verbunden waren. Auf der Beobachtung solcher Ähnlichkeiten beruhten alle die merkwürdigen Geschichten von Tieren, die sich in Menschen und Menschen, die sich in Tiere verwandelten, die sich die Alten erzählten. In Ägypten glaubte man sogar vielfach, daß die Tiere ursprünglich verkleidete Götter gewesen seien. Vielen Göttern waren bestimmte Tiere zugeordnet als Begleiter, Helfer und Boten, und als solche genossen sie allgemeine Verehrung bei der Bevölkerung. Am stärksten kam die unlösliche Zusammengehörigkeit von Tier und Mensch und ihre gemeinsame Beziehung zum Heiligen in dem Bilde der Sphinx zum Ausdruck, die in langen Reihen den Weg zum Tempel des Gottes begleitete.
Der Naturmensch fürchtete und verehrte das Tier als Inhaber von Mächten, die ihm überlegen waren. Er bewunderte die Stärke, den Mut, die Klugheit des Tieres und mühte sich vielfach, seine Gunst zu erwerben, es zum Freunde zu gewinnen und sich seine Kräfte und Fähigkeiten anzueignen. So wurde allmählich überall das Tier zum unentbehrlichen Genossen des Menschen. Die Sagen, Mythen und Märchen all