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Das Anliegen der Psychotherapie, insbesondere der modernen großen analytischen Verfahren, reicht weit über den Rahmen dessen hinaus, was das heutige Medizinstudium dem angehenden Arzte an Kenntnissen und Erkenntnissen vermittelt. Weite Gebiete, die nach der heute noch gültigen Einteilung zu den sogenannten Geisteswissenschaften zählen, müssen ihm als ebenso unerläßliches Rüstzeug für seine Arbeit zur Verfügung stehen. Dessen ungeachtet bedarf die Psychotherapie der ständigen Orientierung an der Kasuistik, also der konkreten praktischen Erfahrung am sorgfältig durchgearbeiteten Einzelfall, will sie, eben wegen dieser notwendigen Weite, nicht der nahliegenden Gefahr einer zu spekulativen Wissenschaft erliegen. Von dieser Notwendigkeit weiß jeder ernsthafte Psychotherapeut. Um so überraschender muß es deswegen erscheinen, daß in der bisherigen nicht gerade geringen psychotherapeutischen Literatur die Kasuistik einen so unverhältnismäßig geringen Raum einnimmt. Für diesen auffälligen Mangel hat bereits Freud selbst die wesentlichen Gründe angegeben, als er vor nun bald einem halben Jahrhundert seine ersten, inzwischen berühmt gewordenen „Krankengeschichten“ veröffentlichte. Die von ihm angeführten Schwierigkeiten bestehen heute noch unverändert.
Fast noch mehr wird vom Außenstehenden, der sich über die Arbeitsweise des Analytikers orientieren möchte, der Mangel einer subtilen Schilderung dessen empfunden, was nun eigentlich in den einzelnen Stunden „passiert“. Auch diesem Mangel liegen die gleichen von Freud angeführten Faktoren zugrunde. Hinzu kommen rein technische Gesichtspunkte: Würde doch die vollständige Wiedergabe dessen, was allein in einer einzigen Stunde geschieht, schon einen Raum beanspruchen, der den Umfang der vorliegenden Arbeit noch übertreffen würde! Denn es käme nicht nur auf eine stenographisch getreue Wiedergabe des gesprochenen Wortes an. Auch all das müßte dargestellt werden, was zugleich „zwischen den Zeilen“ geschieht. Zum Beispiel cha