You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die in den USA zu selbstndigen, vielfach unterteilten Disziplinen gewordenen Gebiete der Sozial-Psychologie, der angewandten Soziologie, der Ethnologie und der Cultural Anthropology haben in erheblicher Breite und gleichzeitiger fruchtbarer Berührung mit allgemeiner Psychologie und Psychoanalyse gearbeitet.
Gegenwärtig herrscht auch in Deutschland ein starkes Interesse gerade für Psychologie und philosophische Anthropologie. Zum Teil handelt es sich hierbei wohl um eine typische Äußerung des allgemeinen Lebensgefühls der Zeit; fraglos aber steht dieses Interesse auch im Zusammenhang mit unserem deutschen Schicksal und ist Ausdruck eines echten Bedürfnisses nach Selbsterhellung.
Bei allem Wert eines ernsthaften Fragens nach dem, was der Mensch nun eigentlich sei, läßt sich jedoch eine Gefahr nicht verkennen: Die typisch deutsche Tendenz zu voreiliger Verallgemeinerung, die in jeder auf den Menschen bezogenen Forschung so schnell wie möglich den Bereich philosophischer Erörterung erreichen möchte. Diese Neigung aber wäre nur zu rechtfertigen, könnten wir von Gegebenheiten und Eigenschaften am Menschen ausgehen, die ewig gleichbleibend sind. Bei allen fundamentalen psychologischen und philosophisch-anthropologischen Auseinandersetzungen aber wird kaum je zum Problem, ob denn die „Wesenseigenschaften“, mit denen argumentiert wird, tatsächlich konstant und essentiell sind. Deshalb bleibt dann auch die Frage ungestellt, ob es solche konstanten und unabdingbaren „Wesenseigenschaften“ überhaupt gibt und wie sie im gegebenen Fall zu erkennen wären.
Zwar ist auch die Spekulation über „das Wesen“, „die Natur“, „das Ursprüngliche“ des Menschen keineswegs von vornherein wertlos. Sie stellt im Grunde philosophische Bearbeitungen der Selbsterfahrung des eigenen Menschseins dar, die als Denkmöglichkeiten und Fragestellungen für die Wissenschaft mindestens heuristischen Wert haben.
Alle durch „Wesensschau“ - und durch strukturell verwandte Methoden - gewonnene Einsicht aber bedarf grund