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Die „Psychologie des Weibes“ ist gewiß ein Gebiet, das voller Fußangeln und Entgleisungsgelegenheiten steckt. Man darf wohl sagen, daß in der langen Reihe von Äußerungen über das „Wesen“ „der“ Frau, die wir von Religionsstiftern, Theologen, Dichtern, Philosophen und Psychologen besitzen, diese Gelegenheiten selten ungenützt blieben - ein sehr eindrückliches Zeugnis für den Mangel jener Fähigkeit, deren wir uns als auszeichnender Eigentümlichkeit gegenüber den Frauen zu rühmen pflegen: an Sachlichkeit. Dokumente des Hasses, der Enttäuschung, der Schuldabwälzung für uneingestandenes Selbstversagen sind diese Äußerungen weit verräterischer und aufschlußreicher für die Psychologie der Autoren als für die des darin angesprochenen Gegenstandes. Lersch nun hat sich mit seiner neuen Schrift nicht in die wenig erhebende Ahnenreihe eingeordnet. Überall spürt man sein Bemühen, gerecht zu sein, nicht einseitig abzuwerten oder überzuwerten. Nicht zufällig zitiert er häufig W. von Humboldt und Jean Pauls „Levana“: von ihnen her weht ein Geist durch sein Buch, der uns aber heute wie eine gepflegte, liebenswürdige Oberflächlichkeit anmutet. - Zunächst entwirft er, unter dem Titel eines „Perspektivismus in Auffassung und Vorstellung vom anderen Geschlecht“ einige Typen des Wertbildes der Frau in der männlichen Auffassung und umgekehrt. Er skizziert (an Schubart orientiert) die einschlägigen Unterschiede in den Religionen und in den geschichtlichen Epochen, umreißt dann (ohne Vollständigkeitsanspruch) als männliche Einstellungstypen mit zugehörigem weiblichen Wertbild den Typus der Auflehnung, der Hörigkeit, den Männchen- oder Paschatypus, den der Ritterlichkeit und den Erlösungstypus. Als weibliche Typen, denen besondere Wertbilder des Mannes entsprechen, gelten der Unterordnungstypus, der Typus der Gattin, der Bemutterung, der Geliebten, der Weibchen- und der Auflehnungstypus. Das zweite Kapitel schreitet „objektive Zugänge zum Problem der Geschlechter“ ab. Sie werden differenziert