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Das Buch von Bassermann „Der späte Rilke“ unterscheidet sich grundlegend von den Deutungsversuchen und biographischen Ergänzungen, die Rilkes Spätwerke in ständig wachsender Zahl hervorrufen. Bassermann geht es nicht so sehr um die Auflösung schwieriger Sinnzusammenhänge oder um ästhetische Schätzung und Einordnung der vollendeten Werke. Sein Anliegen ist es vor allem, die inneren Voraussetzungen aufzuzeigen, die diese Werke ermöglichten, das Wachsen von Einsichten in das Leben, also die rational kaum mehr faßbare geistige Bewältigung des erfahrenen Daseins, die sich über das Meinen und Befinden Rilkes hinweg vollzieht, und die Rückwirkung der endlich wortgewordenen Einsichten auf das Leben des Dichters. Darum darf wohl hier auf dieses, trotz mancherlei Mühseligkeiten der Darstellung ungewöhnlich reiche und wesentliche Buch hingewiesen werden, dessen Wert mehr im Wagnis des Weges als in seinen Schlußfolgerungen liegt.
Rilke hat für uns den Bereich des „Säglichen“ unendlich erweitert, durch vertiefte Erfahrung im seelischen Raum wie durch seine, in unablässiger Arbeit erworbene Fähigkeit, diese erweilerte Erfahrung restlos umzusetzen ins Wort. Was er aussagt sind nicht Gefühle, nicht subjektive Stimmungen in poetischer Überhöhung, aber auch nicht Denkkonstruktionen auf ein vorweggenommenes Ziel hin. In seinen Spätwerken - den Sonetten an Orpheus und den