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Eine große Zahl psychoanalytischer Begriffe sind in den allgemeinen Wortschatz übergegangen. Damit hat auch die gewöhnliche Betrachtung menschlichen Verhaltens eine wesentliche Korrektur erfahren, insofern nach einer Ära vorwiegend materieller Erklärungsbedürfnisse nun im Gegenteil viele Äußerungen des menschlichen Lebens, Stimmungen und Verstimmungen, Krankheiten, in enger Verflochtenheit mit Qualitéten der Person, also des aus materiellen Prozessen nicht ableitbaren seelisch-geistigen Lebens gesehen wurden. Es ist fraglich, ob die angeblich fortwährend wachsende Zahl psychoneurotischer Erkrankungen einen objektiven Tatbestand ausdrückt oder ob nicht ein guter Teil dieser Kranken noch vor 20 oder 30 Jahren mit einer organischen Diagnose in die Statistik eingereiht worden wären, und wenn diese auch noch so verschwommen gelautet hätten, etwa „Neurasthenie“.
Jedenfalls gehört es zu den nicht mehr verlierbaren Erfahrungen unserer Zeit, daß sich ihr Geistig-Seelisches in einer unüberschaubaren Vielfalt zu körperlichen Vorgängen relativiert gezeigt hat und daß alle Versuche, einen Monismus in der Betrachtung des Menschen zu fürdern und zu postulieren, als gescheitert betrachtet werden müssen. Für die Heilkunde bedeutet dies, daß sie praktische Anthropologie in neuem Sinn zu werden hat. Diese Entwicklung ist in vollem Fluß. Jeder Tag zeigt mehr, wie unbefriedigend anatomische und physiologische Vorstellungen bleiben, wenn sie nicht auf die Erscheinung, die Lebensbewegung, die Konfliktlage eines einzelnen Menschen bezogen werden können, und wie weit die Subjektivität in die somatische Tiefe hineinreicht.
Das Erstaunliche an diesem Vorgang der Zieländerung und Wertverschiebung in der medizinischen Forschung wie Praxis ist, daß die Impulse zu einer solchen revolutionären Bewegung ausdrücklich keine klinischen Errungenschaften sind, daß vielmehr die Ausbildungsstätten der Ärzte sich durch ein halbes Jahrhundert nicht für die subjektiv-psychologische Seite der Krankheit interess