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Im folgenden soll eine in der psychotherapeutisch-analytischen Arbeit typische Situation besprochen werden: das Schweigen des Patienten. Es wird sich zeigen, wie unendlich mannigfaltig die Anlässe sein können, die hinter diesem scheinbar gleichartigen und deshalb fälschlicherweise für einheitlich determiniert angenommenen Verhalten des Patienten stehen. Praktisch ergibt sich daraus, daß das für den fruchtbaren Fortgang unserer Arbeit so störende Schweigen ebenfalls nicht einfach mittels eines einheitlichen Rezeptes behoben werden kann, sondern daß das Vorgehen des Therapeuten diesen verschiedenartigen Schweige-Motivationen beim Patienten differenziert angepaßt sein muß. Es kommt mithin auf die Erkennung, die Herausarbeitung und die Überwindung der dem Schweigen jeweils zugrunde liegenden und sich in ihm Ausdruck verschaffenden Faktoren an.
Bevor wir uns diesen Faktoren zuwenden, empfiehlt es sich, erst einmal Orientierung und Belehrung bei der Lehrmeisterin -zu suchen, die sich erfahrungsgemäß für viele dem Bewußtsein längst verloren gegangene Zusammenhänge noch ein geheimes Organ erhalten hat: die Muttersprache. Die tiefenpsychologische Forschung des letzten halben Jahrhunderts hat hinreichend gezeigt, wie fruchtbare Aufschlässe verborgener Zusammenhänge gerade die Beschäftigung mit der Sprache ermöglicht. Was sagt sie uns zum Thema Schweigen?
Zunächst fallen uns einige Sprichwörter und Redewendungen ein: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ oder „Keine Antwort ist auch eine Antwort“ oder das zum Thema gehörige Lied „Gedanken sind frei…“ Weiter wissen wir, daß man etwas „Verschwiegenes„ dennoch „durch die Blume sagen“, es „zwischen den Zeilen“ ausdrücken, also verschweigen und dennoch sagen kann. Ein Schweigen kann sogar “rvielsagend“ sein! Umgekehrt kann man aber auch durch Vielrederei das eigentlich zu sagen Notwendige verschweigen = verbergen. Auch „totschweigen“ kann man eine Sache — aber auch einen Menschen, gegen den man etwas hat.
Welche typischen Attribute d