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Es handelt sich im folgenden nicht um eine kritische Auseinandersetzung mit dem grundlegenden Werk, das in einer Zeit grenzenloser Not wie der unseren mit hohem Mut und mitreißendem Pathos „das Hiesige rühmt“, das in einer Zeit der Verzweiflung und tiefster Unsicherheit um alles Menschliche die Urgewalt und „triumphierende Seinssicherheit“ menschlicher Liebe in den Mittelpunkt der philosophischen Besinnung stellt und zum methodischen Ansatz der Forschung macht. Es geht einzig um den Versuch, soweit dies überhaupt im engen Rahmen eines Referats möglich ist, die reichgliedrige Gedankenfülle dieses großgewachsenen Systems in gröbsten Linien nachzuzeichnen, um damit dem Leser (der ja unter den obwaltenden Verhältnissen an das Buch selbst kaum gelangen kann) einen Hauch aus der staunenswürdig positiven Atmosphäre des monumentalen Werkes zu vermitteln.
In all den langjährigen Streit um Methoden, Ziele, Kategorien, um die mehr geistes-oder naturwissenschaftliche Ausrichtung der Psychologie als autonome Wissenschaft, tritt das Werk Binswangers mit großer Gebärde: es schafft eine ontologische Anthropologie, die sich als tragfähiger Grund einer Psychologie als wahrhaft königliche Wissenschaft erweist, einer Psychologie, die weder am Empirischen klebt noch im Spekulativen verfliegt, sondern die aus dem Ganzen wachsende Gestalt zu schaffen vermag. Mehr als das: das Methodenproblem sprengend, fragt Binswanger nach dem Psychologen selber, nach dem Wer der Daseinserkenntnis und seinem Sein in der Welt und fordert (in Goethescher Art) von ihm selber das Maß seines unendlichen Gegenstandes.
Die „philosophische Beziehungsperson“, mit der sprechend Binswanger seinen originären Daseinsentwurf vornehmlich entfaltet, ist Heidegger. Mit diesem und der ganzen modernen Ontologie geht er konform in der Überwindung des Descartesschen Denkansatzes und im Rückgriff hinter jede Subjekt-Objektspaltung auf die ursprüngliche Verfassung des Menschseins als In-der-Welt-Sein. In der Auslegung dieses In-