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Die Bekenntnisse des Opiumessers Thomas de Quincey, die Walter Schmiele vorzüglich übersetzt, eingeleitet und so in dankenswerter Weise uns wieder zugänglich gemacht hat (die englische Originalausgabe erschien 1821), sind geeignet, das Bild des dem Opiat Verfallenen, das uns die Psychologie vermittelt,
entscheidend zu vervollständigen. Unter diesem Aspekt erscheint dies Werk weniger als ein psychologisch-interessantes oder unverbindlich literarisches, als vielmehr anthropologisches Dokument von größter Eindringlichkeit und Ausdruckskraft.
Es soll damit nicht gesagt sein, daß die typischen Merkmale des Alkaloidsüchtigen nicht auch in der Beschreibung de Quinceys deutlich würden. Es lassen sich dort durchaus die charakteristischen Züge der Versklavung des Süchtigen, der heillosen Bindung an das Opiat, des ambivalenten Verhältnisses zwischen Süchtigem und Droge erkennen. Doch bezieht sich dies nur auf den psychologisch-somatischen Bereich, den Psychiatrie, Biologie und Pharmakologie beschreiben. Insofern also findet sich in diesen Bekenntnissen durchaus eine Bestätigung unserer Erfahrungen, die den Süchtigen als Opfer einer Tyrannis des Alkaloids sehen, die durch eine Abdrängung einer unerledigten psychologischen Situation ins Unbewußte zustande kommt, und der im Somatischen die Gewöhnung entspricht.
Diese Auffassung — das lehrt meines Erachtens die Konfession de Quinceys — erschöpft den Tatbestand der Sucht nicht vollständig. Neben den Momenten der Abhängigkeit vom sinnlichen Genuß, der Flucht in ein künstliches Paradies und des Rausches finden sich Erfahrungen ganz anderer Art: die der „Vergeistigung und Läuterung der Leidenschaften“, die Vision „des Lichts des erhabenen Geistes“, die „Erschließung des göttlichen Teiles des menschlichen Wesens“, die „erlesenste Ordnung der geistigen Fähigkeiten“, „Stärkung der Macht über sich selbst“, und „jene Art von lebendiger Wärme, der unser Verstand zustimmt“, und die an die „urweltliche, vorsintflutliche Gesundheit des Mensche