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Verfasserin sucht den nachhaltigen Widerstand gegen die Freudschen Entdeckungen auf seine Vermischung genialer klinischer Funde — kindliche Sexualität, Wesen der Verdrängung, Bedeutung der Kindheit für die seelischen Konflikte des Erwachsenen — mit unbewiesenen aprioristischen Annahmen — Triebtheorie, Ödipuskomplex — zurückzuführen. Freud habe es an klarer wissenschaftlicher Beweisführung vielfach fehlen lassen und mit seiner affektiven Überschätzung der Sexualität im allgemeinen affektive Strömungen bei seinen Gegnern in Bewegung gesetzt, die ebenfalls an der wissenschaftlichen Prüfung seiner Funde vorbeigegangen sind. Daß Freud mit seinen Entdeckungen unvollständig gewesen sei, könne schon deshalb niemals ein Vorwurf gegen ihn werden, weil jede wissenschaftliche Entdeckung von Rang zunächst einmal einseitig und unvollständig gewesen sei (Vergleich mit Claude Bernards Entdeckung des Zuckerstoffwechsels: Die Funktion des Pankreas wurde erst etwa 40 Jahre später entdeckt!). Verfasserin behauptet, Freud habe den organischen Faktor bei der Neurosenentstehung nicht genügend eingeschätzt, nicht etwa weil er ihn grundsätzlich geleugnet, sondern weil er sich für die organische Seite der Neurose nicht interessiert habe. Die Genialität Freuds sei trotz des weitgehend philosophischen und apriorischen Charakters seiner Arbeiten unbestreitbar, auch trotz der zahlreichen Widersprüche, die sein ganzes Werk durchziehen. Seine Größe lag nach Cavé in seiner genialen Intuition, in der Tiefe seiner Gedanken und in dem unmittelbaren Erfassen komplexer seelischer Vorgänge in ihrem Zusammenhang. Möglicherweise war, so meint Verfasserin, der Mangel an logischem Denken und an theoretischer Beweisführung die Voraussetzung für die Möglichkeit von Freuds umwälzenden Entdeckungen und eine der notwendigen Bedingungen seiner Begabung.