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Die Frage nach Motiv und Motivation einer Straftat wird dem Richter und Sachverständigen in der Praxis täglich
gestellt. Der Problemkreis setzt jedoch ein Wissen um die Gesetze menschlichen Handelns voraus, welches wiederum von einer Anthropologie abhängt, um die in dieser Zeit erneut leidenschaftlich gerungen wird. Motiv ist etwas, von dem eine Wirkung ausgeht, Motivation bedeutet somit die Herstellung eines solchen Wirkungszusammenhangs. Je nachdem ob ein ursprünglich vom Handelnden angenommenes Motiv auch nach der Handlung noch beibehalten wird oder verdrängt und durch ein anderes ersetzt wird, spricht man von primärer und sekundärer Motivation. Je nachdem die Motivierung im Selbstverständnis oder durch einen Außenstehenden erfolgt, handelt es sich um Eigenoder Fremdmotivation. Quer hindurch geht die Motivation, welche auf Bewußtes und Unbewußtes zurückgreift.
Es genügt nicht, eine Handlung als das subjektive Erlebnis eines Individuums, welches der Umwelt abgetrennt gegenübersteht, zu betrachten. Im Erlebnis steckt die Umwelt als „Welt“ (Gehlen) schon verarbeitet mit drin. Der Zusammenhang Motiv—Handlung ist statt im Bild des Pfeilschusses als „Gestaltkreis“ (v. Weizsäcker) zu sehen. So kann sich die Funktion eines objektiven Gegenstandes, der Inhalt oder Objekt einer Handlung wird, wandeln. Ist bei einer alten Frau der Wäscheschrank zum Symbol ihres ordentlichen und ausgewogenen Lebens geworden, so ist ein Wäschediebstahl bei ihr anders zu beurteilen als bei einer Frau, die nur von Habgier getrieben wurde.
Eine Rückführung der Motive auf Affekt, Temperament (Gruhle) vermag somit nicht alles zu umgreifen. In gewissen Zeitsituationen tritt ein überindividueller Motivhintergrund auf. Die Herstellung eines Motivzusammenhanges kann sowohl für den Sachverständigen wie für den Betroffenen unter Umständen ein konstruktives Tun bedeuten. Wenn in einem einzigen Satz ein Mensch sich demaskiert, so kann das eine Entscheidung bedeuten, die unwiederholbar ist. Einer solchen D