You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die theoretische Begründung hirnpathologischer
Syndrome (Aphasie, Agnosie, Apraxie) ist angesichts neuerer Anschauungen der Neurophysiologie, experimentellen Psychologie und so weiter nicht mehr haltbar. Die klassischen Vorstellungen klammern sich daran, daß die Funktionsbilder bei Hirnschädigungen Subtraktionsprodukte des Normalen sind, die — quasi rückwärts gelesen — auf so etwas wie Willkürzentren, Sprachzentren und so weiter schließen lassen. Wenn nun die Forschung inzwischen bewiesen hat, daß die Restmasse eines gestörten Gehirns anders funktioniert als im Verband des unversehrten Ganzen; wenn man verstehen gelernt hat, daß die neurophysiologische Elementarfunktion ein methodisches Kunstprodukt ist, die sich im Verband wandeln kann; und wenn man schließlich jene Schichten genauer studiert, welche physiologisch zwar dargestellt, aber immer auch psychologisch interpretiert werden können, so befindet sich das riesige Lehrgebäude der klassischen Gehirnpathologie auf völlig schwankendem Boden. Conrad hat dies klar gesehen und hat jetzt gewissermaßen in einem Vorwort zu ausführlicheren Studien (die zur Zeit in der Zeitschrift für Deutsche Nervenheilkunde erscheinen) seine Meinung und sein Programm geschildert.
Anknüpfend an das Sandersche psychologische Experiment über die Aktualgenese und den Zerfall von Gestalten zeigt Conrad am Begriff der „Vorgestalt“, wie pathologische Phänomene als Regression, als ein Verbleiben der aktualgenetischen Prozesse auf Stufen der Vorgestalt begriffen werden können. Die Aphasie entsteht dadurch, daß hier der aktualgenetischen Prozeß der Versprachlichung nicht mehr bis zur Endgestalt verläuft, sondern mehr oder weniger auf einer Vorgestaltstufe stehen bleibt. In ähnlicher Weise sind agnostische, apraktische, motorische Störungen unausgereifte Leistungen auf einer unfreien Vorstufe ihrer Endgültigkeit.
Am wichtigsten erscheint bei diesem Unternehmen der Entschluß, endgültig zu brechen mit der Vorstellung eines Subjekts, das mit Hilfe vo