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Unter der „pädagogischen Situation“ wird einmal die Gesamtlage unserer Erziehung im Sinne einer bestimmten Zeitsituation verstanden, zum anderen die relativ anonyme Einzelsituation, bei der es sich um ganz konkrete pädagogische Akte handelt. Der Verfasser spricht
besonders von der letzteren, da es auch in einer stabileren Gesamtsituation so sei, daß sich erst in den pädagogischen Einzelakten das Menschenbild der Epoche mit konkretem Inhalt füllt. — Der Struktur der pädagogischen Situation käme „eine Art archetypischen Charakters“ zu, ähnlich einer Reihe anderer zwischenmenschlicher Beziehungen, und zeige typische Konfliktmöglichkeiten, die seitens der Tiefenpsychologie inzwischen durch manchen Beitrag erhellt wurden. Es sei aber ein verhängnisvoller Fehler, die menschliche Begegnung nur unter dem Gesetz eines archetypischen Schemas zu sehen. Man müsse für die Individuallage, in der eine Situation abläuft, die Berücksichtigung der soziologischen Variante verlangen, die eine beziehungsreiche Überformung des typischen Grundgehalts darstelle. — Die zwei wesentlichsten Tendenzen einer planelarischen Reformbewegung seit Ende des vorigen Jahrhunderts seien die Herbeiführung „echter Lebens- und Erfahrungssituationen“ und einer „totalen Begegnung“. Deutlich wird diese Tendenz, trotz des infolge des Krieges bedingten Rückschlags, in den Thesen der pädagogischen Konferenz (Weimar 1946): „Die Dinge und Menschen sind selbst in die Schulstube hineinzunehmen und der Unterricht an die Gegenstände und Personen draußen heranzuführen“ und „Das Kind will ernst genommen werden und als vollwertigePerson gelten“. „Der Lehrer sei nicht autoritärer Führer sondern älterer Freund und helfender Kamerad.“ Der Erzieher und Lehrer sieht sich damit einer recht schwierigen Situation gegenüber, die vor allem eine psychologische Steuerung seines Tuns verlangt, mit der seine Leistungsfähigkeit zeitweilig überfordert erscheinen mag. Für diese Aufgaben reiche ein allgemeines Menschenverständnis nicht