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Vom 27. bis 29. September 1947 hatte Dr. med. Kühnel, Hannover, früher Leiter der Poliklinik für Kinder und Jugendliche am Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie in Berlin, jetzt Ministerialdirigent in der Niedersächsischen Landesregierung, als Leiter des Organisationsausschusses einer zu gründenden Gesellschaft für praktische Psychologie zu einer Tagung nach Pyrmont eingeladen, die dem Thema „Die seelische Not unserer Zeit“ gewidmet sein sollte.
Sinn dieser Neugründung sollte sein, über die Fakultätsgrenzen hinweg alle die akademischen Berufsgruppen in einer wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft zusammenzufassen, die als Ärzte — insbesondere Psychotherapeuten —, Theologen, Juristen, Pädagogen, Wirtschaftswissenschaftler und so weiter im Rahmen ihrer Behandlung und Führung von Menschen praktisch psychologisch tätig sind. Die Brückenfunktion, die somit der Psychologie — zumal der tiefenpsychologisch unterbauten — zwischen den einzelnen Fakultäten zukommt, legt ihr die Verpflichtung auf, aus Fakultätengrenzen herrührende überholte Vorurteile wegzuräumen und durch einen lebendigen Erfahrungsaustausch sich wieder dem Ideal der Universitas zu nähern.
So wurde das Leitthema der Tagung durch Beiträge von Vertretern aller Fakultäten zwar von zum Teil grundverschiedenen Ausgangspunkten angegangen. Dennoch wurde stets die breite gemeinsame Berührungsfläche spürbar. Es sprachen unter anderem aus der Sicht des Seelsorgers von katholischer Seite Pastor Dr. Marquardt, Fulda, von evangelischer Seite Pastor D. Bodelschwingh, Bethel. Als Pädagoge wertete Oberstudiendirektor Dr. Pasche, Flensburg, Schulaufsätze der verschiedenen, stark mit Flüchtlingen durchsetzten Schulklassen als Äußerungen zum Zeitgeschehen aus. Als Psychiater ging Professor Störring, Göttingen, in sehr umfassenden Ausführungen über „Grundfragen der medizinischen Psychologie“ besonders auf die Bedeutung des Emotionalen ein. Über „die praktische Psychologie in der Arbeit des Nervenarztes“ berichtet