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Die Tendenz der angelsächsischen Psychotherapie und Psychiatrie geht immer mehr dahin, eine psychische Erkrankung auch als Erkrankung des Menschen als sozialen Wesens anzusehen und nicht mehr ausschließlich die Erkrankung des Intellektes, des Willens, der Affekte zu beobachten. Diese Haltung setzte sich erstmalig in der Sozialpsychologie in England und Amerika durch und bezeichnete in radikalster Formulierung die Psychiatrie (die Neurosenlehre einbegriffen) als „das Feld der menschlichen Beziehungen“ (H. S. Sullivan, Conceptions of modern Psychiatry, Psychiatry, 1940, 3, No. 1). Auf dem Gebiet der Psychotherapie hat diese Richtung zu der Ausgestaltung der Lehre der zwischenmenschlichen Beziehungen (inter-personal relations) geführt und zum Ausbau der Gruppentherapie, über die nächstens ein eingehender Bericht erfolgen soll. Hier soll nur besprochen werden, wie das große soziale Interesse Englands zum Aufbau eines neuen Berufes geführt hat, der von der größten Wichtigkeit bei der Behandlung psychisch Kranker geworden ist; der Beruf der Psychiatrischen Fürsorgerin, (Psychiatric Social Worker).
1928 wurde das erste Diplom dieses neuen Berufes, der aus Amerika übernommen worden war, an der London School of Economics verliehen. Die Teilnehmer waren als Fürsorgerinnen ausgebildet worden, die nun einen weiteren einjährigen Kurs an dieser Hochschule absolvierten, der sie für die psychiatrischen Sonderaufgaben des Berufes vorbereitete. 1946 wurde eine zweite Ausbildungsstätte an der Universität Edinburg eröffnet. Bisher sind ungefähr 300 psychiatrische Fürsorgerinnen in ihrem Berufe tätig, eine Zahl, die nicht annähernd dem Bedarf entspricht.
An Hand der ersten Nummer des British Journal of Psychiatric Social Work, eines Jahresberichts für 1947, das wichtige Artikel über die praktische Arbeit der psychiatrischen Fürsorge enthält, soll hier kurz das weite Tätigkeitsgebiet geschildert werden. Es ist einleuchtend, welch eine Lücke in der Therapie durch die fürsorgerische Arbeit a